Montag, 4. Januar 2010

Capo d'Anno und ein Lebenszeichen überhaupt

Nuuun melde ich mich mal wieder von der sizilianischen Front! Da bin ich nämlich wieder, und zwar seit dem 31.12. vergangenen Jahres...
vorher habe ich zwei sehr schöne und viel zu kurze Wochen im frostigen Deutschland verbracht, über die ich wohl nicht viel berichten muss, außer dass sie eben schön und kurz waren!
Bevor ich allerdings von Silvester auf sizilianisch zu erzählen beginne, möchte ich noch kurz einen bisher verschwiegenen Ausflug mit Vera, Denis und Simon erwähnen, der uns nach Piazza Armerina führte, wo wir die berühmten Bikini-Mosaik-Frauen bewundert haben, und danach haben wir noch das sehr hoch gelegene Enna besichtigt, wo wir uns zum ersten Mal richtig winterlich gefühlt und eine skurile Friedhofstadt entdeckt haben, in der es Häuser für die Toten jeder Familie gab und sogar Straßennamen. Außerdem gab es Ausblicke auf die ganze Umgebung, von denen einer schöner war als der andere.

Nun zu capo d'anno, zu Silvester. Nach langem Hin und Her hatten wir uns ja endlich dazu entschieden, in Taormina, einem der am schönsten gelegenen Orte Siziliens, in das neue Jahr hinein zu feiern. Es stellte sich heraus, dass das eindeutig die richtige Entscheidung gewesen war.
Simon, Vera und ich trafen uns in aller Herrgottsfrühe am Köln-Bonner-Flughafen, wir hatten drei Plätze nebeneinander im Flugzeug ergattert und so hatte ich eine Vera links und einen Simon rechts von mir, um mir bei den Turbulenzen, die das Flugzeug erschütterten, die Hände zu halten.
Der Blick auf Sizilien von oben war absolut traumhaft und als wir dann aus dem Flugzeug traten, traf uns ein absoluter Temperaturschock. Es war so warm! Bei 20 Grad und Sonne war das erste, was Vera und ich taten, auf das Flughafenklo zu laufen und uns dünnere Sachen anzuziehen. Im T-Shirt machten wir uns dann auf die Suche nach Bussen, die uns nach Taormina führen sollten. Die fanden wir dann auch, erst gings nach Palermo Hauptbahnhof, von da aus dann nach Catania und dort hatten wir dann erstmal ewig Zeit, um schonmal Wein, Sekt und Chips einzukaufen.
Der Bus kam mit leichter Verspätung und nahm uns mit sich nach Taormina. Das Meer und sehr milde Temperaturen empfingen uns dort, trotz der Dunkelheit, in der wir ankamen. Da wir leider nicht die geringste Ahnung hatten, wo wir hinmussten, bzw. nur eine vage SMS von Georgia, in der stand, wir sollten zum Torre da Messina gehen, fragten wir einen Taxifahrer, wo wir denn hinmüssten, der tat dann so, als wisse er genau, wo sich dieser befände und lud uns samt unserem nicht zu verachtenden Gepäck in sein Taxi. Er ließ uns vor einer Fußgängerzone raus und deutete wage in eine Richtung. Wir machten uns also alle mit 20 kg Gepäck auf den Weg durch die nicht enden wollende Fußgängerzone, vorbei an der Scala di Amore, Irish Pubs und lauter sizilianischem Lebensgefühl, immer begleitet von klassischer Musik, die aus Lautsprechern überall entlang der Straße ertönte.
Leider war das sizilianische Telefonnetz hoffnungslos überlastet und so kam es, dass bei uns kein Anruf der anderen und bei ihnen kein Anruf von uns ankam. Die Beschreibungen der Einheimischen führte uns schließlich eine ziemlich lange Treppe nach oben... dort hievten wir dann natürlich auch unsere Koffer hin, da wir uns totsicher waren, den richtigen Ort - eine Art Kloster oder ähnliches - gefunden zu haben. Dies stellte sich jedoch als schrecklicher Irrtum heraus, und so erreichten wir uns schließlich gegenseitig und durften daraufhin unsere Koffer schön die ganzen Treppen wieder herunter tragen.
Nach einem erneuten recht ausgedehnten und daher eher unfreiwilligem Spaziergang durch die Stadt erreichten wir schließlich das Haus, in dem wir wohnen sollten, genial, viel Platz, mehrere Zimmer und Bäder, Wohnzimmer, Küche UND Balkonblick aufs Meer!
Nachdem wir angekommen und uns ein bisschen von der langen Reise erholt hatten, sprich geduscht und uns umgezogen hatten, gings schon wieder los in das schöne Taormina hinein.
Es gab dann Sektanstoßen mit vielen anderen Menschen mit Blick auf das wunderschöne Meer, das unter uns lag und mit Blick auf die hell erleuchteten Küstenorte, es gab ein wunderschönes Feuerwerk, natürlich viel länger und besser als das in Marburg und es gab keine blöden Leute, die wahllos Böller in die Menge geworfen haben! Ziemlich gelungen, also.
Später, als ein Teil von uns schon auf dem Nachhauseweg war, Vera, Catherine, Denis, Laura und ich aber noch tanzen gehen wollten, kamen wir an einer Piazza vorbei, wo draußen Lautsprecher aufgestellt waren und die Musik aus einer angrenzenden Bar lief. Kurzerhand entschlossen wir uns dazu, dort eine kleine Tanz-Session einzulegen, da uns die Musik spontan dazu anregte. Also legten wir unsere Jacken und Taschen in die Mitte (da es wie gesagt im T-Shirt mit etwas Bewegung gut auszuhalten war) und begannen zu tanzen. Innerhalb kürzester Zeit scharte sich eine riesige Menschenmenge von ungefähr 100 Leuten um uns an, die uns teils begeistert, teils skeptisch zuschaute, was uns aber vollkommen egal war. Wir versuchten nur, immer mehr Menschen miteinzubeziehen und sie zum Tanzen und Spaß haben zu überreden. Eine Gruppe Jugendlicher konnten wir dauerhaft begeistern, auch einige ältere Menschen ließen sich animieren. Es war einfach genial.
Als wir zwei Stunden später ermüdet den Heimweg antraten, zogen wir tanzen zur einen Seite der Piazza ab, während die andere Gruppe mit anderen Tanz-bewegungen zur anderen Seite verschwand.

Nachdem wir am nächsten Tag ausgeschlafen hatten, ging es los, um Taormina zu erkunden. Wir wanderten einen steilen Pfad voller Treppen nach oben, da wir das alte Schloss, das über Taormina liegt, besichtigen wollten. Endlich oben angekommen (nachdem wir tausend mal stehen geblieben waren, um die atemberaubende Sicht zu genießen, die uns bis nach Kalabrien und Siracusa blicken ließ), mussten wir uns von einem lustigen, winzigen alten Mann erklären lassen, dass das Schloss oder bessergesagt seine Ruine, geschlossen sei. Er könne uns allerdings trotzdem hinein führen... So folgten wir also dem hutzeligen Mann mit Lackschuhen und einer roten Knollnase über sehr fragwürdige Pfade, die eigentlich gar keine waren, den Berg hinaus, und mehr als einmal rutschten wir ab, doch kamen trotzdem mehr oder weniger glücklich oben an, wo Simon dann von dem Mann genötigt wurde, über ein rostiges Gitter, das an die Schlosswand gelehnt war, in dasselbe hinein zu klettern und oben Fotos zu machen. Gesagt, getan, doch danach traten wir alle schnell den Rückweg an und waren froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Der zweite Teil unseres Ausflugs führte uns in die entgegengesetzte Richtung, nämlich runter ans Meer, wo man problemlos mit der Seilbahn hingelangen konnte. Am Strand waren wir so todesmutig, mit nackten Füßen im Wasser zu plantschen, was wir allerdings auch nur kurz aushielten.
Dann näherte sich ein Boot dem Strand. Nach kurzem Überlegen entschieden wir uns, die von dem Bootsbesitzer angebotene Tour in die "Blaue Grotte" zu machen und wagten den Sprung auf das Boot, wo wir sofort mit Party-Musik beschallt wurden. Allerdings schien diese Musik dann das Einzige zu sein, das einwandtfrei funktionierte, denn nach einer Viertelstunde Herumprobieren musste der Mann uns leider mitteilen, dass sein Motor den Geist aufgegeben hatte. Also sprangen wir wieder an den Strand und traten den Heimweg an.
Den Abend verbrachten wir in Taormina mit Herumschlendern und Pizza essen und dem Versprechen, am nächsten Tag Haartönungen und Unterwäsche für alle zu kaufen, was wir dann auch taten.
Danach traten wir bei strahlendem Sonnenschein den Heimweg an.

Hier in Riesi hat sich seit dem auch schon wieder einiges ereignet.
An meinem ersten Arbeitstag nach den Ferien bekam ich die Nachricht, dass ich doch ab jetzt Englisch unterrichten solle. Ich schnappte mir also alle Materialien, die es zum Glück auch gibt und entschied mich dafür, diese neue Aufgabe anzunehmen. Ab Montag gehts los!
Im Schulbus werden jetzt von mir härtere Seiten aufgezogen, da die zweite Fuhre Grundschulkinder es einfach nicht auf die Reihe bekommt, sich so zu platzieren, dass alle einen Sitzplatz bekommen. Immer legen sie ihre Ranzen auf den Platz neben sich und machen sich breit. Von nun an dürfen sie sich also ihre Plätze nicht mehr selber aussuchen, sondern die, die zuerst einsteigen, müssen sich nach ganze hinten setzen, so füllt sich der Bus von hinten nach vorne und alle bekommen einen Platz. Selbst dran Schuld! Auch wenn mich das natürlich einige Sympathie-Punkte gekostet hat.

Außerdem setzen wir uns jetzt sozial ein, über unser eigentliches FSJ hinweg.
Denn Zoran, unser Gärtner und guter Freund der Freiwilligen, erzählte uns von einer alten 80jährigen Frau, die verwahrlost und von ihrer Familie ausgenommen in einer Wohnung vor sich hinlebt. Ihre Familie erklärte sie, die vorher Lehrerin und recht wohlhabend gewesen war, für verrückt und ließ daraufhin ihre ganze Wohnung ausräumen. Die Frau, die von der Altersturheit natürlich nicht verschong geblieben ist, will aber nicht aus ihrer Wohnung raus. Ihre vielen Hunde und Katzen, die ihr bis auf eine Katze und einen Hund genommen wurden, haben davor ihr bestes getan, und die Wohnung von oben bis unten verdreckt, sodass man den Boden kaum noch sieht. Die Fenster schließen nicht und sie hat weder Strom noch Heizung, außerdem sogut wie gar keine Möbel. Vor ein paar Tagen haben wir sie besucht, um ihr eine Wärmflasche und etwas warmes zu Essen zu bringen, und sie empfing uns ohne Hose und ohne Schuhe, sondern nur mit einer um die Beine gewickelten Decke. Der Zustand der Wohnung ist unbeschreiblich und absolut unfassbar.
Heute fahren wir wieder hin, um endlich mal ein wenig zu putzen, bald gibt es wieder Strom und die Fenster haben wir auch schon repariert. Außerdem haben wir sie dazu überredet, von ihrer Rente eine kleine Haushaltshilfe zu bezahlen, die einmal am Tag kommt, putzt und für sie kocht. Wenn wir das alles schaffe, ist ihr Zustand schon um einiges gebessert!

Außerdem hat Zoran eine kleine, verwahrloste und verlassene Hündin gefunden, die bei Sturm und Gewitter auf einem Balkon eines verlassenen Hauses ausgesperrt und angebunden war. Da er ein großes Herz für Tiere hat, kletterte er kurz entschlossen hinauf und befreite die abgemagerte und sehr zutrauliche und liebe Hündin, und rettete sie somit vor ihrem sicheren Tod. Wir haben sie Nuvola genannt, und da Vera und Martin nicht wollten, dass sie sofort wieder ausgesetzt wird, da Zoran sich nicht noch um mehr Hunde kümmern kann (er hat ja schon sehr viele Hunde und Katzen und muss für alle Kosten selbst auskommen), haben sie jetzt selber die Verantwortung für sie übernommen und versuchen, alles in die Wege zu leiten,um für Nuvola ein neues zu Hause und eine Familie zu finden, am besten in Deutschland, denn hier gibt es schon zu viele Hunde auf den Straßen, dass niemand freiwillig einen von ihnen aufnimmt.
Sollte jemand, der das hier liest, wirklich interessiert sein oder Bekannte haben, die eine 6monate alte, liebe und hübsche Hündin aufnehmen wollen, so kann er sich gerne bei mir melden! Wir würden dann hier alles in die Wege leiten, sowohl den Transport, als auch Impfungen und den Tierpass, und die Kosten würden wir auch übernehmen können.

Ansonsten genieße ich natürlich das lang ersehnte Wochenende und freue mich immer noch über Post jeglicher Art, außerdem werde ich versuchen, diesen Blog hier mal wieder öfters zu aktualisieren!
Liebste Grüße, Paula