Immer noch nur zu sechst, beschlossen wir nach einer arbeitsreichen Woche, uns noch einen Ausflug zu gönnen, der uns diesmal nach Trapani führen sollte. Dies ergab sich, da Gianluca an diesem Wochenende dort seine Familie besuchen wollte und uns anbot, uns in seinem Auto mitzunehmen. Diese Gelegenheit nutzten wir natürlich und so fuhren wir am Freitag gegen halb sechs in Riesi los.
Nach einer recht langen Fahrt und nach einem Stau bei Palermo, was zu erwarten gewesen war, kamen wir in Trapani an. Genauer gesagt, vor der Kirche, in der wir schlafen würden. Doch die Kirche war keine eiskalte Steinkirche, sondern sie war drinnen aus Holz mit einer Küche und einer zweiten Etage mit Bücherregalen und Ameisen, wo wir dann unsere Schlafsäcke auspackten, um uns ein mehr oder weniger gemütliches Lager zu schaffen. An diesem Abend machten wir einen kleinen Rundgang durch das wunderschöne Stadtzentrum von Trapani. Da die Stadt auf einer Landzunge liegt, ist man innerhalb weniger Minuten immer am Meer. So läuft man also durch herrschaftliche Straßen mit einem Haus schön als das andere, dann biegt man ab und geht durch eine Seitenstraße - und schon ist man am Meer.
Trapani ist ungefähr so groß wie Marburg, aber wirkt sehr viel großstädtischer, weil es verschwenderisch und großzügig gebaut ist, mit großen Häusern und ausufernden Plätzen.
Die Nacht auf unserem Schlafsacklager war tendenziell unbequem, ich wachte ständig auf, die Unterlage war zu hart und entweder es waren Mücken (im November?!) oder Ameisen, aber irgendwas hat mir Stiche verpasst.
Am Samstag fuhren wir, nach einem leckeren Frühstück, bestehend aus einem Briosche con Crema und einem Cappuccino, nach Erice. Erice ist ein wunderschönes mittelalterliches Städchen, das sich auf einem Berg über Trapani befindet.
Waren es unten in Trapani noch spätsommerliche Temperaturen, sodass man fast im T-Shirt rumlaufen konnte, so war es in Erice tiefster November, also quasi deutsches Wetter. Denn Erice war in tiefsten Nebel getaucht. Um dorthin zu gelangen, ist der einfachste Weg, mit der Seilbahn, und nicht mit dem Auto zu fahren. So setzten wir uns also in die Seilbahn, Vera, Gianluca, Flor, Angelo und ich, und fuhren der dichten Nebelwand entgegen. Sobald wir in sie eintauchten, verschwand Trapani im nichts, war nicht mehr zu sehen, und plötzlich wurde es kalt in unserer Kabine. Unter uns konnten wir im Nebel fast nichts erkennen, das Seil, an dem wir hingen, verschwand vor und hinter uns im Nichts.
Wir kuschelten uns alle in unsere Jacken, die uns auf einmal viel zu dünn erschienen. Oben in Erice angekommen, kroch die nasse Kälte durch die Jacken hindurch bis in die Knochen. Dennoch genossen wir diesen Aufenthalt vollkommen. Der Nebel verwandelte Erice von einem hübschen Städtchen in einen mysteriösen Ort voll ungeahnter Abgründe und Schluchten, deren Grund man nicht einmal erahnen konnte. Wir besichtigen Kirchen und alte Schlösser, einen wunderschönen und verwunschenen Park und genehmigten uns in einem Cafe, das eher deutsch als italienisch aussah, eine heiße Schokolade und die ersten Weihnachtsplätzchen, natürlich in Herzform...
Dort gab es ebenfalls einen Kamin, in dem ein Feuer brannte, an dem wir uns wieder aufwärmten, bevor wir uns wieder in die Kälte begaben.
Als wir uns entschieden, dass es nun genug des Nebels sei, hatte der unsere Haare schon längst vollkommen nass gemacht, sodass wir, als wir unten, im Sommer, ankamen, aussahen, als hätten wir grade Sport gemacht oder eben erst geduscht.
Wir ruhten uns eine Weile in unserer hübschen Kirche aus, und danach machten Vera und ich uns auf, um das Zentrum von Trapani noch ein wenig zu erkunden und wir befanden es für wahrhaftig wunderschönen und mindestens noch einen Besuch wert. Wir schlenderten ein wenig und erfreuten uns des Lebens und der Lebenslust, die um uns herum herrschte, denn durch Trapanis schöne Straßen flanierten Menschen aller Altersklassen, saßen draußen, lachten, und teilten ihre Freude. Wir bewunderten den ersten Weihnachtsschmuck und freuten uns auf den guten alten Weihnachtsmarkt im ebenfalls sehr schönen Marburg!
Später stießen Angelo und Flor zu uns und gemeinsam warteten wir ausnahmsweise mal auf Gianluca, mit dem gingen wir dann was essen und danach fielen Vera und ich in unsere Schlafsäcke, während die anderen noch etwas trinken gingen.
Am nächsten Tag war irgendwie schon wieder Sonntag, und so beschlossen wir, schon Mittags den Rückweg nach Riesi anzutreten, denn an diesem Tag würden ja auch die anderen wiederkommen!
Ein sehr schönes Wochenende also, der erste, aber nicht der letzte Besuch in Trapani!
Montag, 7. Dezember 2009
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