Dienstag, 29. September 2009
Montag, 28. September 2009
Kranksein in Sizilien / Gita 26.9.2009
Und langsam aber sicher kommt der Herbst. Seit einer Woche gewittert, stürmt und regnet es hier fast jeden Tag, was nicht heißt, dass es wirklich kalt ist. Kälter, ja, keine 30 Grad mehr, aber wirklich kalt, nein! Letzte Woche gab es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein solches Gewitter in der Nacht, dass ich kaum schlafen konnte, weil es so laut gestürmt hat. Der Wind zieht durch jede Ritze durch die Fenster hinein, er öffnen mein Badezimmerfenster und lässt es wieder zu knallen, er öffnet Martins Zimmertür und macht sich einen Spaß daraus, sie immer wieder auf- und zugehen zu lassen. Und währenddessen liegt die kleine Paula mit offenen Ohren und Augen im Bett und muss feststellen, dass sie Halsschmerzen bekommt. Damit ist sie nicht die einzige, Denis und Simon kämpfen schon seit dem Wochenende mit der Erkältung, die sie letztendlich übermannt und ans Bett fesselt. Am Donnerstag geht Vera nach einem halben Arbeitstag nach Hause, nach der Arbeit bin ich absolut erschöpft und fühle mich fiebrig. So bleibe ich denn auch am Freitag zu Hause, ebenso wie Denis, Simon, Georgia, Vera und Angelo. Nur Catherine und Laura W. sind gesund und arbeiten, Laura F. ist krank und arbeitet trotzdem.
Kranksein sah so aus, dass wir erst einmal ausgeschlafen haben. Nach dem Ausschlafen fühlte ich mich kein bisschen besser als vorher, immer noch wie nach einem Marathon. Auf gehts zum Mittagessen, PASTA, was ein Wunder. Danach gab es dann für Vera, Denis und mich den ganzen Nachmittag Buffy. Buffy, Staffel 1, fertig. Bis abends.
Der Doktor kommt hier zwar, aber er schreibt Leute krank, ohne sie gesehen zu haben. So sind Simon und Denis krank geschrieben worden für Freitag. Und man munkelt, dieser Doktor empfehle Pasta in Bianco (sprich: Nudeln mit gar nichts) um gesund zu werden. Nun ja, die gabs heute, mal sehen.
Am Samstag fand ein Ausflug des ganzen Servizio mit all seinen Angestellten und Freiwilligen statt. Da es mir am Freitag wirklich schlecht ging, war ich davon überzeugt, nicht mitzufahren, da der Ausflug einen ganzen Tag gehen sollte. Da ich am Abend aber kein Fieber feststellen konnte, beschlossen Denis, Vera und ich, mitzufahren, in sofern wir uns am Morgen nicht zu schlecht fühlten. Und so fuhren wir. Denis war schnell davon überzeugt, dass es die falsche Entscheidung gewesen war, aber mir ging es den ganzen Tag über gut. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt beglückten uns die Lehrerinnen und die anderen Mitarbeiter mit italienischen Liedern. Auf der Hinfahrt empfand ich das ganze als amüsant, als sie auf der Rückfahrt dann allerdings "Mi scappa la pipi, mi scappa la pipi, mi scappa la pipi, papa!" sangen, bekam ich nicht zu verachtende Agressionen, die ich nur dadurch im Zaum zu halten wusste, dass ich mich auf meinem Zweiersitz zu einer Kugel zusammenrollte, meinen einen noch funktionierenden Kopfhörer in meinem Ohr zu vergraben, die Musik auf volle Lautstärke zu stellen (dennoch hörte ich "..la pipi, papa!") und Angelos Mütze auf mein anderes Ohr zu setzen. Eine recht unbequeme Haltung, in der ich einschlief.
Aber nun zum Ausflug an sich. Wir hatten einen ganzen Reisebus für uns, und damit ging es morgens um 7.30 Uhr (geplant war natürlich eine halbe Stunde früher) auf nach Monreale in der Nähe von Palermo. Dort haben wir nach einem dringend nötigen Kaffee den wunderschönen Dom besichtigt, dessen Inneres ganz mit Gold verkleidet ist und biblische Geschichten erzählt.
Danach ging es in ein eher weniger spannendes islamisches Museum in Palermo, wo ein paar alte Vasen rumstanden und mehr nicht. Darauf folgte der Besuch einer Art Landwirtschafts-Messe. Den Zweck dieses Besuches müsste mir noch einmal jemand erklären, ich habe ein Armband abgestaubt, knallgrün, das wars.
Und dann erst einmal wieder Busfahren. Nach ca anderthalb Stunden erreichten wir den kleinen Ort am Meer, San Vito Lo Capo, wo wir das Cous Cous Fest besuchen wollten. Und das auch taten.
Slogan: "MAKE COUS COUS, NOT WAR!" Sehr sympathisch. Gianluca bezahlte dann auch CousCous, Wein und Nachtisch für alle und nach dieser Stärkung machten einige sich auf ans Meer.
ÜBRIGENS ist mittlerweile auch Florencia da, die Freiwillige aus Uruguay, die letztes Jahr schon einmal da war, dann aber wegen Problemen mit ihrer Aufenthaltserlaubnis wieder ausreisen musste.
Gianluca, Denis, Florencia, Vera und ich erfreuten uns also der Anwesenheit des Meeres, Vera und ich wollten Fotos im Meer machen, mit hochgekrempelten Hosen und Schals, als eine unerwartet große Welle uns überraschte und meine Hose badete. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mir eine neue Hose zu suchen, die ich kaufen und anziehen konnte, aber obwohl alle Läden wie Billigläden aussahen, fand ich kaum einen Rock unter 200€. So blieb ich also bei meiner salzigen, nassen, klebenden Jeans. BRRR!
Das muss meiner Erkältung nicht unbedingt gut getan haben, denn am Sonntag ging es mir nicht besser, meine Stimme verabschiedete sich seit Samstag Abend immer mehr, das hält bis heute (Montag) an, weshalb ich diesen Tag auch nochmal im Bett verbracht habe. Morgen werde ich mich erneut ans Arbeiten wagen.
Da ich am Donnerstag als Ersatz für Angelo im Kindergarten gearbeitet habe, konnte ich also diesen Arbeitssektor auch einmal austesten. Und ich muss sagen, ich vermisse meine erste Klasse sehr, die ich nun sein Mittwoch nicht mehr gesehen habe! Am Nachmittag musste ich die Kinder ins Bett bringen. Es gibt nichts schlimmeres! EINS von ca 20 Kindern hat geschlafen. EINS! Der Rest war am Anfang noch still, aber gen Ende waren alle am rumwuseln und reden und krach machen und mir die ekligen Riesen-Tausendfüßler unter die Nase haten. Süß. Um diesen Job beneide ich niemanden. Da lob ich mir doch meine Erstklässler!
Kranksein sah so aus, dass wir erst einmal ausgeschlafen haben. Nach dem Ausschlafen fühlte ich mich kein bisschen besser als vorher, immer noch wie nach einem Marathon. Auf gehts zum Mittagessen, PASTA, was ein Wunder. Danach gab es dann für Vera, Denis und mich den ganzen Nachmittag Buffy. Buffy, Staffel 1, fertig. Bis abends.
Der Doktor kommt hier zwar, aber er schreibt Leute krank, ohne sie gesehen zu haben. So sind Simon und Denis krank geschrieben worden für Freitag. Und man munkelt, dieser Doktor empfehle Pasta in Bianco (sprich: Nudeln mit gar nichts) um gesund zu werden. Nun ja, die gabs heute, mal sehen.
Am Samstag fand ein Ausflug des ganzen Servizio mit all seinen Angestellten und Freiwilligen statt. Da es mir am Freitag wirklich schlecht ging, war ich davon überzeugt, nicht mitzufahren, da der Ausflug einen ganzen Tag gehen sollte. Da ich am Abend aber kein Fieber feststellen konnte, beschlossen Denis, Vera und ich, mitzufahren, in sofern wir uns am Morgen nicht zu schlecht fühlten. Und so fuhren wir. Denis war schnell davon überzeugt, dass es die falsche Entscheidung gewesen war, aber mir ging es den ganzen Tag über gut. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt beglückten uns die Lehrerinnen und die anderen Mitarbeiter mit italienischen Liedern. Auf der Hinfahrt empfand ich das ganze als amüsant, als sie auf der Rückfahrt dann allerdings "Mi scappa la pipi, mi scappa la pipi, mi scappa la pipi, papa!" sangen, bekam ich nicht zu verachtende Agressionen, die ich nur dadurch im Zaum zu halten wusste, dass ich mich auf meinem Zweiersitz zu einer Kugel zusammenrollte, meinen einen noch funktionierenden Kopfhörer in meinem Ohr zu vergraben, die Musik auf volle Lautstärke zu stellen (dennoch hörte ich "..la pipi, papa!") und Angelos Mütze auf mein anderes Ohr zu setzen. Eine recht unbequeme Haltung, in der ich einschlief.
Aber nun zum Ausflug an sich. Wir hatten einen ganzen Reisebus für uns, und damit ging es morgens um 7.30 Uhr (geplant war natürlich eine halbe Stunde früher) auf nach Monreale in der Nähe von Palermo. Dort haben wir nach einem dringend nötigen Kaffee den wunderschönen Dom besichtigt, dessen Inneres ganz mit Gold verkleidet ist und biblische Geschichten erzählt.
Danach ging es in ein eher weniger spannendes islamisches Museum in Palermo, wo ein paar alte Vasen rumstanden und mehr nicht. Darauf folgte der Besuch einer Art Landwirtschafts-Messe. Den Zweck dieses Besuches müsste mir noch einmal jemand erklären, ich habe ein Armband abgestaubt, knallgrün, das wars.
Und dann erst einmal wieder Busfahren. Nach ca anderthalb Stunden erreichten wir den kleinen Ort am Meer, San Vito Lo Capo, wo wir das Cous Cous Fest besuchen wollten. Und das auch taten.
Slogan: "MAKE COUS COUS, NOT WAR!" Sehr sympathisch. Gianluca bezahlte dann auch CousCous, Wein und Nachtisch für alle und nach dieser Stärkung machten einige sich auf ans Meer.
ÜBRIGENS ist mittlerweile auch Florencia da, die Freiwillige aus Uruguay, die letztes Jahr schon einmal da war, dann aber wegen Problemen mit ihrer Aufenthaltserlaubnis wieder ausreisen musste.
Gianluca, Denis, Florencia, Vera und ich erfreuten uns also der Anwesenheit des Meeres, Vera und ich wollten Fotos im Meer machen, mit hochgekrempelten Hosen und Schals, als eine unerwartet große Welle uns überraschte und meine Hose badete. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mir eine neue Hose zu suchen, die ich kaufen und anziehen konnte, aber obwohl alle Läden wie Billigläden aussahen, fand ich kaum einen Rock unter 200€. So blieb ich also bei meiner salzigen, nassen, klebenden Jeans. BRRR!
Das muss meiner Erkältung nicht unbedingt gut getan haben, denn am Sonntag ging es mir nicht besser, meine Stimme verabschiedete sich seit Samstag Abend immer mehr, das hält bis heute (Montag) an, weshalb ich diesen Tag auch nochmal im Bett verbracht habe. Morgen werde ich mich erneut ans Arbeiten wagen.
Da ich am Donnerstag als Ersatz für Angelo im Kindergarten gearbeitet habe, konnte ich also diesen Arbeitssektor auch einmal austesten. Und ich muss sagen, ich vermisse meine erste Klasse sehr, die ich nun sein Mittwoch nicht mehr gesehen habe! Am Nachmittag musste ich die Kinder ins Bett bringen. Es gibt nichts schlimmeres! EINS von ca 20 Kindern hat geschlafen. EINS! Der Rest war am Anfang noch still, aber gen Ende waren alle am rumwuseln und reden und krach machen und mir die ekligen Riesen-Tausendfüßler unter die Nase haten. Süß. Um diesen Job beneide ich niemanden. Da lob ich mir doch meine Erstklässler!
Vom grauen Riesi und seinen gelben Kuriositäten: Schulbus- und Schulalltag
Jeden Morgen, wenn ich meine Busreise durch Riesi beginne, stelle ich aufs Neue fest, dass ganz Riesi grau ist. Es hat zwar seinen eigenen Charme, aber alle Häuser halten sich eher in grau-braun Tönen. Hier und da wagt jemand mal ein dunkelorange, aber auch dies scheint mit braun gemischt worden zu sein. Nur ein Haus gibt es, das bricht alle Regeln. Dieses Haus ist mitten in Riesi und ich sehe es auf meiner Bustour mehrere Male, bin teils direkt davor, meistens sehe ich es aber von der anderen Seite aus. Dieses Haus ist gelb. Aber nicht einfach nur gelb. Es ist knallgelb. Und zwar so knallgelb, dass Pepe, der Busfahrer, einmal fast von der Straße abgekommen wäre, weil ihn das knallgelbe Haus so geblendet hat. Also entweder der Besitzer ist farbenblind oder der Maler hat ihm einen ganz üblen Streich gespielt, ein normaler Mensch streicht so nicht sein Haus an!
Passend zu diesem knallgelben Haus fährt durch Riesi ein schon öfters gesehenes, kleines, ebenfalls knallgelbes Auto. Kurios macht es nicht nur die gelbe Farbe, sondern die Aufschrift "Schneller hören". Also auf Deutsch. Aber italienisches Kennzeichen. ?!
Ebenfalls gelb und recht auffällig ist unser schöner Schulbus. Knallgelb mit blauen winzigen Sitzen, auf denen höchstens die Kindergartenkinder passend aussehen.
Und um die gelben Kuriositäten Riesis zu komplettieren, steigen in diesen Bus dann lauter Kinder mit gelben T-Shirts, auf denen in blau "Servizio Cristiano Riesi" steht. Ich will auch so eins. Ich habe nämlich gesehen, dass es auch dicke Kinder mit solchen T-Shirts gibt, die mir dann mit Sicherheit passen würden!
Der Schulbus wird immer mehr zum Alltag. Ich habe mich daran gewöhnt, dass Kinder, die mich sonst abknutschen, im Bus nicht einmal grüßen. Es grüßen sowieso die wenigsten. Aber nicht etwa aus Unhöflichkeit, sondern weil sie einerseits noch ziemlich verschlafen sind und andererseits einige der Erstklässler erst vor Kurzem (wenn überhaupt) verstanden haben, dass die MAESTRA PAULA, nach der sie immer schreien, das selbe Wesen ist wie das, das sie morgens immer im Schulbus sitzen sehen.
Nach zwei Fuhren Schulbus kommt immer der schwierige und nervenaufreibendere Teil. Es gab bisher erst zwei Tage, an denen wirklich kein einziges Kind geweint hat. Zwei Mal hat Gabriela schon in den Bus gekotzt, Sophia bessert sich von Tag zu Tag und kotzt nicht mehr jeden Tag, wie sie es zu Beginn vollbracht hat (allerdings immer nur vor den Bus bzw. wahlweise auf meine Schulter. Danke!) Carol ist mittlerweile groß und weint nicht mehr, auch Noemi, die zwei Tage lang auf meinem Schoß saß und immer anfing zu weinen, wenn ich sie auf einen normalen PLatz setzen wollte, kann dies jetzt.
Nachdem ich die sich teilweise mit Händen und Füßen wehrenden Kindergartenkinder in den Kindergarten gebracht und die Tür endlich hinter mir geschlossen habe, gehe ich in die Schule. Dort muss ich als erstes die Bäder kontrollieren, ob auch überall Klopapier und Seife vorhanden sind. Dann verschwinde ich in der ersten Klasse, die eindeutig meine Lieblingsklasse ist. Auch wenn die Kinder einen in den Wahnsinn treiben können. Wenn ich alleine Aufsicht habe, gehen sie über Tische und Bänke, nicht alle Lehrerinnen haben die Klasse gut im Griff. Ruhig gestellt wird mit Bonbons.
Von Giuseppe Sessa werde ich regelmäßig abgeknutscht, ebenso von Lucia, die mir sagt, sie könne es jeden Morgen nicht erwarten, mich zu sehen. Aurora und Zenia schreien immer nach mir, und verstehen es nicht, dass ich nicht jede Sekunde zu ihnen rennen kann, um ihre winzige Hand in die meine zu nehmen und mit ihnen Buchstaben zu schreiben, die sie alleine nicht schaffen, wenn ich grade dabei bin, den nach seiner Mutter schreienden Rocco zu beruhigen oder Paolo dazu zu bringen, nicht wie ein nasser Sack von seinem Stuhl zu rutschen und auf dem Boden rumzuliegen, weil er müde ist. Massimo spielt eigentlich permanent auf dem Boden Hund und auch Luca folgt neuerdings diesem anstrengenden Trend. Wenn die Lehrerin außer Sichtweite ist, gehen Giuseppe Pistone, Alessio, Corrado und Paolo aufeinander los und prügeln sich, was das Zeug hält und ich bin damit beschäftigt, sie davon abzuhalten, sich gegenseitig zu erwürgen. Rocco hat anfangs jeden Tag geweint, und nachdem ich dann einmal einen Spaziergang mit ihm gemacht habe, um ihn zu beruhigen, war er sehr auf mich fixiert und da er festgestellt hatte, dass seine Mama nicht kommen kann, wenn er weint, ich aber sehr wohl, begann er nach mir zu schreien. Mittlerweile hat er sich aber gebessert und hängt sogar nicht mehr die ganze Mittagspause an meiner Hand, sondern geht mit Vincenzo spielen. Um halb elf klingelt es zur ersten Pause, in der die Kinder allerdings in der Klasse bleiben. Ich mache mich dann mit einer Kiste voll Obst auf den Weg durch die fünf Klassen und teile in jeder Obst an jedes Kind aus, außerdem schreibe ich mir die jeweilige Anzahl Kinder auf.
Dann kehre ich wieder in meine 1. Klasse zurück und werde mit einem beglückten "MAESCHTRA!" empfangen. Eigentlich heißt es ja "Maestra" aber irgendwie wandeln die sizilianischen Kinder das in "Maeschtra" um und auch einige der Lehrerinnen, die nicht so sehr darauf bedacht sind, ihren Schülern den sizilianischen Dialekt auszutreiben, bauen an den interessantesten Stellen der italienischen Sprache ein "sch" anstelle eines "s" ein und klingen daher so wie Schwaben, die versuchen, Italienisch zu reden.
In Mathe, was die 1. meistens nach der kleinen Pause hat, wurde bisher außer dem Datum, was die Kinder vollkommen überfordert, noch keine einzige Zahl geschrieben. Nein, die Kinder lernen grade ihr Kästchenheft kennen, indem sie Punkte und Striche in dieses und jenes Quadrat malen. So sollen sie lernen, wie sie diese Quadrate zu nutzen haben. Einige überfordert dies jedoch hoffnungslos. Mein kleiner, süßer, draufgängerischer und schnell ermüdeter Paolo zum Beispiel, dessen Wimpern bis zum Mond reichen (mindestens), muss von mir zu jedem einzelnen Punkt oder Strich überredet werden. Immer steht er auf und holt etwas aus seinem Ranzen. Dann läuft er zum Mülleimer und will spitzen. Dann legt er sich auf den Tisch und sagt nur noch "Mach du!". PUHHH!
Um 12 Uhr verlasse ich meine süßen Erstklässler und mache mich mit meiner Liste, wie viele Kinder in welcher Klasse anwesend sind, bewaffnet, daran, die Tische fürs Mittagessen zu decken. Hin und wieder kommt Giovanni aus der 4., der glaube ich ein Bruder von Paolo ist, hinzu, um mir zu helfen. Immer behauptet er scheinheilig, er habe nichts mehr zu tun, wenn ich ihn frage, aber ich glaube, er behauptet oben einfach, er müsse aufs Klo und kommt dann nicht mehr wieder. Nun ja, so habe ich jemanden, der mir den ätzenden Job abnimmt, Servietten auf jeden der ca 70 Teller zu legen. Oder Gabeln! Gabeln sind das schlimmste.
Um kurz vor halb mache ich mich dann auf zur Küche, wo die Köche gerade den Essenswagen mit riesigen Töpfen voll Pasta beladen, außerdem Salat und manchmal einen zweiten Gang. Diesen Wagen ziehen Georgia und ich dann mit vereinten Kräften über den Kies rüber zur Schule, wo uns einige eifrige Jungs gelegentlich beim Ausladen helfen, oder eben auch nicht.
Dann habe ich endlich Mittagspause! Aber nur eine dreiviertelstunde, von der mindestens die Hälfte für mein eigenes Mittagessen mit den anderen draufgeht. Ich bin mittags so erschöpft, das glaubt man gar nicht. Nach dem regelmäßigen Pasta-Mittagessen lege ich mich für 10 kurze und doch wundervolle Minuten auf mein Bett und genieße die Stille. Einmal keine auf italienisch schreienden Kinder um sich herum! Doch viel zu schnell geht die Pause herum und ich mache mich wieder auf den Weg. Mittagspausenaufsicht. Man muss die Kinder davon abhalten, auf den Pausenhof des Kindergartens zu laufen, sich mit Steinen und Oliven zu bewerfen oder sich gegenseitig zu treten. Am Ende der Pause, die eigentlich bis 14.00 Uhr gehen sollte, aber meistens von den Lehrerinnen bis mindestens 14.15 Uhr rausgezögert wird, sind Georgia und ich dafür verantwortlich, die Kinder einzusammeln, was sich als ziemlich schwierig herausstellt.
Dann bin ich bis 16.00 Uhr zwei lange Stunden in der Vierten Klasse. Über den Deutschunterricht, den ich ja eigentlich machen soll, wurde mir nichts mehr gesagt, ich lasse mich überraschen. So sitze ich dann also in der 4. und langweile mich, da ich eigentlich Filippo helfen soll, einem Jungen, der gerade erst aus Deutschland nach Italien gezogen ist, da seine Eltern aber Italiener sind, kann er besser Italienisch als ich und braucht diesbezüglich keine Hilfe. Dass er stinkfaul ist und keine Lust hat, nachmittags um drei, wo er im deutschen Schulsystem längst zu Hause säße, Texte von der Tafel abzuschreiben, ist eine andere Sache.
Wenn ich um 16.00 Uhr erschöpft nach Hause wanke, bin ich kaum noch fähig zu denken, geschweige denn zu reden.
Passend zu diesem knallgelben Haus fährt durch Riesi ein schon öfters gesehenes, kleines, ebenfalls knallgelbes Auto. Kurios macht es nicht nur die gelbe Farbe, sondern die Aufschrift "Schneller hören". Also auf Deutsch. Aber italienisches Kennzeichen. ?!
Ebenfalls gelb und recht auffällig ist unser schöner Schulbus. Knallgelb mit blauen winzigen Sitzen, auf denen höchstens die Kindergartenkinder passend aussehen.
Und um die gelben Kuriositäten Riesis zu komplettieren, steigen in diesen Bus dann lauter Kinder mit gelben T-Shirts, auf denen in blau "Servizio Cristiano Riesi" steht. Ich will auch so eins. Ich habe nämlich gesehen, dass es auch dicke Kinder mit solchen T-Shirts gibt, die mir dann mit Sicherheit passen würden!
Der Schulbus wird immer mehr zum Alltag. Ich habe mich daran gewöhnt, dass Kinder, die mich sonst abknutschen, im Bus nicht einmal grüßen. Es grüßen sowieso die wenigsten. Aber nicht etwa aus Unhöflichkeit, sondern weil sie einerseits noch ziemlich verschlafen sind und andererseits einige der Erstklässler erst vor Kurzem (wenn überhaupt) verstanden haben, dass die MAESTRA PAULA, nach der sie immer schreien, das selbe Wesen ist wie das, das sie morgens immer im Schulbus sitzen sehen.
Nach zwei Fuhren Schulbus kommt immer der schwierige und nervenaufreibendere Teil. Es gab bisher erst zwei Tage, an denen wirklich kein einziges Kind geweint hat. Zwei Mal hat Gabriela schon in den Bus gekotzt, Sophia bessert sich von Tag zu Tag und kotzt nicht mehr jeden Tag, wie sie es zu Beginn vollbracht hat (allerdings immer nur vor den Bus bzw. wahlweise auf meine Schulter. Danke!) Carol ist mittlerweile groß und weint nicht mehr, auch Noemi, die zwei Tage lang auf meinem Schoß saß und immer anfing zu weinen, wenn ich sie auf einen normalen PLatz setzen wollte, kann dies jetzt.
Nachdem ich die sich teilweise mit Händen und Füßen wehrenden Kindergartenkinder in den Kindergarten gebracht und die Tür endlich hinter mir geschlossen habe, gehe ich in die Schule. Dort muss ich als erstes die Bäder kontrollieren, ob auch überall Klopapier und Seife vorhanden sind. Dann verschwinde ich in der ersten Klasse, die eindeutig meine Lieblingsklasse ist. Auch wenn die Kinder einen in den Wahnsinn treiben können. Wenn ich alleine Aufsicht habe, gehen sie über Tische und Bänke, nicht alle Lehrerinnen haben die Klasse gut im Griff. Ruhig gestellt wird mit Bonbons.
Von Giuseppe Sessa werde ich regelmäßig abgeknutscht, ebenso von Lucia, die mir sagt, sie könne es jeden Morgen nicht erwarten, mich zu sehen. Aurora und Zenia schreien immer nach mir, und verstehen es nicht, dass ich nicht jede Sekunde zu ihnen rennen kann, um ihre winzige Hand in die meine zu nehmen und mit ihnen Buchstaben zu schreiben, die sie alleine nicht schaffen, wenn ich grade dabei bin, den nach seiner Mutter schreienden Rocco zu beruhigen oder Paolo dazu zu bringen, nicht wie ein nasser Sack von seinem Stuhl zu rutschen und auf dem Boden rumzuliegen, weil er müde ist. Massimo spielt eigentlich permanent auf dem Boden Hund und auch Luca folgt neuerdings diesem anstrengenden Trend. Wenn die Lehrerin außer Sichtweite ist, gehen Giuseppe Pistone, Alessio, Corrado und Paolo aufeinander los und prügeln sich, was das Zeug hält und ich bin damit beschäftigt, sie davon abzuhalten, sich gegenseitig zu erwürgen. Rocco hat anfangs jeden Tag geweint, und nachdem ich dann einmal einen Spaziergang mit ihm gemacht habe, um ihn zu beruhigen, war er sehr auf mich fixiert und da er festgestellt hatte, dass seine Mama nicht kommen kann, wenn er weint, ich aber sehr wohl, begann er nach mir zu schreien. Mittlerweile hat er sich aber gebessert und hängt sogar nicht mehr die ganze Mittagspause an meiner Hand, sondern geht mit Vincenzo spielen. Um halb elf klingelt es zur ersten Pause, in der die Kinder allerdings in der Klasse bleiben. Ich mache mich dann mit einer Kiste voll Obst auf den Weg durch die fünf Klassen und teile in jeder Obst an jedes Kind aus, außerdem schreibe ich mir die jeweilige Anzahl Kinder auf.
Dann kehre ich wieder in meine 1. Klasse zurück und werde mit einem beglückten "MAESCHTRA!" empfangen. Eigentlich heißt es ja "Maestra" aber irgendwie wandeln die sizilianischen Kinder das in "Maeschtra" um und auch einige der Lehrerinnen, die nicht so sehr darauf bedacht sind, ihren Schülern den sizilianischen Dialekt auszutreiben, bauen an den interessantesten Stellen der italienischen Sprache ein "sch" anstelle eines "s" ein und klingen daher so wie Schwaben, die versuchen, Italienisch zu reden.
In Mathe, was die 1. meistens nach der kleinen Pause hat, wurde bisher außer dem Datum, was die Kinder vollkommen überfordert, noch keine einzige Zahl geschrieben. Nein, die Kinder lernen grade ihr Kästchenheft kennen, indem sie Punkte und Striche in dieses und jenes Quadrat malen. So sollen sie lernen, wie sie diese Quadrate zu nutzen haben. Einige überfordert dies jedoch hoffnungslos. Mein kleiner, süßer, draufgängerischer und schnell ermüdeter Paolo zum Beispiel, dessen Wimpern bis zum Mond reichen (mindestens), muss von mir zu jedem einzelnen Punkt oder Strich überredet werden. Immer steht er auf und holt etwas aus seinem Ranzen. Dann läuft er zum Mülleimer und will spitzen. Dann legt er sich auf den Tisch und sagt nur noch "Mach du!". PUHHH!
Um 12 Uhr verlasse ich meine süßen Erstklässler und mache mich mit meiner Liste, wie viele Kinder in welcher Klasse anwesend sind, bewaffnet, daran, die Tische fürs Mittagessen zu decken. Hin und wieder kommt Giovanni aus der 4., der glaube ich ein Bruder von Paolo ist, hinzu, um mir zu helfen. Immer behauptet er scheinheilig, er habe nichts mehr zu tun, wenn ich ihn frage, aber ich glaube, er behauptet oben einfach, er müsse aufs Klo und kommt dann nicht mehr wieder. Nun ja, so habe ich jemanden, der mir den ätzenden Job abnimmt, Servietten auf jeden der ca 70 Teller zu legen. Oder Gabeln! Gabeln sind das schlimmste.
Um kurz vor halb mache ich mich dann auf zur Küche, wo die Köche gerade den Essenswagen mit riesigen Töpfen voll Pasta beladen, außerdem Salat und manchmal einen zweiten Gang. Diesen Wagen ziehen Georgia und ich dann mit vereinten Kräften über den Kies rüber zur Schule, wo uns einige eifrige Jungs gelegentlich beim Ausladen helfen, oder eben auch nicht.
Dann habe ich endlich Mittagspause! Aber nur eine dreiviertelstunde, von der mindestens die Hälfte für mein eigenes Mittagessen mit den anderen draufgeht. Ich bin mittags so erschöpft, das glaubt man gar nicht. Nach dem regelmäßigen Pasta-Mittagessen lege ich mich für 10 kurze und doch wundervolle Minuten auf mein Bett und genieße die Stille. Einmal keine auf italienisch schreienden Kinder um sich herum! Doch viel zu schnell geht die Pause herum und ich mache mich wieder auf den Weg. Mittagspausenaufsicht. Man muss die Kinder davon abhalten, auf den Pausenhof des Kindergartens zu laufen, sich mit Steinen und Oliven zu bewerfen oder sich gegenseitig zu treten. Am Ende der Pause, die eigentlich bis 14.00 Uhr gehen sollte, aber meistens von den Lehrerinnen bis mindestens 14.15 Uhr rausgezögert wird, sind Georgia und ich dafür verantwortlich, die Kinder einzusammeln, was sich als ziemlich schwierig herausstellt.
Dann bin ich bis 16.00 Uhr zwei lange Stunden in der Vierten Klasse. Über den Deutschunterricht, den ich ja eigentlich machen soll, wurde mir nichts mehr gesagt, ich lasse mich überraschen. So sitze ich dann also in der 4. und langweile mich, da ich eigentlich Filippo helfen soll, einem Jungen, der gerade erst aus Deutschland nach Italien gezogen ist, da seine Eltern aber Italiener sind, kann er besser Italienisch als ich und braucht diesbezüglich keine Hilfe. Dass er stinkfaul ist und keine Lust hat, nachmittags um drei, wo er im deutschen Schulsystem längst zu Hause säße, Texte von der Tafel abzuschreiben, ist eine andere Sache.
Wenn ich um 16.00 Uhr erschöpft nach Hause wanke, bin ich kaum noch fähig zu denken, geschweige denn zu reden.
Dienstag, 22. September 2009
Ein Wochenende in Palermo ...
... der hektischen Hauptstadt Siziliens.
Endlich war es soweit. Die wirklich anstrengende Woche war geschafft und wir hatten alle mehr oder weniger fertig gepackt (Catherine hatte mich gezwungen, nur ein Drittel dessen mitzunehmen, was ich ursprünglich geplant hatte und das war gut so). Wir hasteten also alle mit mehr oder weniger angemessen großen Gepäckstücken runter zu unserem Freiwilligenbus, mit dem uns Zoran zu der Haltestelle des Busses fahren würde. Merkwürdigerweise liegt diese Haltestelle nicht etwa im Ort Riesi, sondern an einer ca 15 Minuten entfernten Tankstelle - wieso auch immer. Auf dem Rückweg fährt der Bus allerdings nach Riesi hinein. Das soll mal einer nachvollziehen, auch wieso wir auf der Hinfahrt 12€ und auf der Rückfahrt 10,80€ bezahlen mussten (und wieso Simon beim letzten Mal nur 7€ bezahlt hat).
Man weiß hier auch nie so genau, ob die Busse dann fahren, wann es auf dem Plan steht, oder doch nicht vielleicht schon eine Viertelstunde früher. Auch wenn die Sizilianer ein sehr gemütliches und eher langsames Völkchen ist, dass aus der italienischen Viertelstunde gerne eine sizilianische halbe macht - die Busse halten sich überstreng an ihren Plan (natürlich kann man das auch wiederum nicht als Regel festhalten).
Wir waren jedoch mehr als pünktlich und die Fahrt nach Palermo verlief angenehm. Der Blick auf das im Dunkeln verschwindende Sizilien und die Musik aus meinem iPod bescherten mir ein unerwartetes absolutes Glücksgefühl.
In Palermo angekommen aßen wir erstmal, um die Wartezeit auf die Palermofreiwilligen, die uns abholen wollten, ein Eis. Aber nicht aus der Waffel, wie der normale Mensch, sondern aus einem Milchbrötchen, wie die waschechten Sizilianer. Und das in einer Gelateria, wo es nicht weniger als sage und schreibe 63 Eissorten zur Auswahl gab (darunter auch Lakritz, also war ich fröhlich.)
La Noce in Palermo ist ein Zentrum mit Schule und Kindergarten, außerdem auch Wohngruppen für junge Menschen, auch von der Waldenserkirche gegründet, wie das Servizio Cristiano. Mitten in der Stadt, zwischen Abfall und Dreck geht man durch das Tor und befindet sich in einer anderen Welt. Der gesamte Innenhof ist mit Pflanzen und Bäumen bepflanzt, wodurch auch die Luft viel angenehmer ist.
Vera, Catherine und ich waren zu dritt in einem Zimmer untergebracht und haben uns gemeinschaftlich entschieden, früh schlafen zu gehen, da wir alle müde waren und außerdem am nächsten Morgen früh auf den lang ersehnten palermitanischen Markt wollten! Um halb zehn kamen wir dann auch endlich los und schlenderten nach der interessanten Busfahrt durch den grässlichen Verkehr Palermos sehr lange durch die kleinen Gässchen des Marktes. Ich erstand endlich einen Teppich für mein bisher etwas kahles Zimmer und außerdem ein Kleid, ähnlich deckten sich die anderen mit Decken, Vorhängen und Hosen ein. Nach einem Eis im Brioche, ettlichen Kaffees und Arancinis für alle begann es doch tatsächlich ein wenig zu regnen. Wir machten uns dennoch tapfer auf den Weg zur Cathedrale, die wir unbedingt noch besichtigen wollen. Sie war wirklich sehr schön und ausnahmsweise mal nicht zu überladen. Als wir sie wieder verließen, regnete es jedoch richtig und ich sah mich gezwungen, bei einem der Straßenhändler einen Schirm zu kaufen. Kaum wittern die nämlich den ersten Tropfen Regen, zaubern sie aus irgendeiner verborgenen Ecke Regenschirme in allen Farben hervor. Um meinem Trend treu zu bleiben, entschied ich mich natürlich für einen lila Schirm (noch ist er sogar nicht kaputt).
Wir hechteten nach Hause und kamen noch einigermaßen trocken an. Dort fielen wir alle ins Bett und schliefen erstmal zwei Stunden. Danach gingen einige Pizza bestellen, die wir dann alle mit Heißhunger im etwas provisorischen Wohnzimmer verspeisten. (Aber immerhin gibt es da Sofas, im Gegensatz zu bei uns, wo die blöden Dinger immer noch nicht da sind.)
Eigentlich war geplant gewesen, dass wir alle zusammen tanzen gehen würden, aber irgendwie kam nichts zu stande, da niemand wusste wohin, und wie, und so weiter. Traurig fand ich das!
Also gingen wir wieder relativ früh ins Bett.
Am Sonntag machten sich einige ans Meer, wir wollten allerdings noch mehr von Palermo sehen. Als erstes führte uns unser Weg ins Teatro Massimo, das größte Opernhaus Italiens, und das drittgrößte der Welt, nach Paris und Wien, wenn ich das richtig verstanden habe, was während der Führung auf italienisch erzählt wurde. Wunderschön ist es, sowohl von innen als auch von außen. Im 19. Jahrhundert erbaut, besitzt das Teatro Massimo noch heute eine Klimaanlage original aus seiner Entstehungszeit. In der schön bemalten Decke des Zuschauerraums gibt es einige Teile, die man nach oben aufklappen kann. Dadurch entsteht eine natürliche Luftzirkulation, die kalte Luft kommt nach unten und die warme entweicht nach oben. Dieser Mechanismus funktioniert tatsächlich immernoch, ob er noch so gebraucht wird, weiß ich nicht. Wir besichtigten auch die Königsloge, wenngleich wir uns auch nicht setzen durften. Hiernach wurden wir in die Sala dei Segreti geführt, ein Raum, der vom Architekten mit einem verrückten Halleffekt ausgestattet wurde. Steht man in der Mitte des Raumes hallt es unglaublich, mit jedem Schritt weiter nach außen nimmt dieser Effekt ab. Dies ist genau so geplant und konstruiert. Früher durften in diesen Raum nur Männer und damit diejenigen, die draußen waren, nicht verstehen konnten, was sie beredeten, wurde dieser Halleffekt eingebaut, damit sich die Stimmen bis zur Unkenntlichkeit vermischen. Dazu benötigt der Saal auch 14 Türen, da das Holz den Echoeffekt begünstigt. Von diesen vierzehn riesenhaften Türen sind jedoch nur 7 echt, der Rest sind dem Zweck dienliche Attrappen.
Hiernach war die Führung leider schon wieder zu Ende, nachdem wir noch die Einfahr für die damaligen noblen Kutschen begutachtet hatten.
Davon vermutlich inspiriert, lachten uns die Kutschen an, die uns zu einer Stadtrundfahrt einladen wollten. 40€ waren uns zu viel, als wir jedoch mit traurigen Gesichtern gingen, ging auch der Preis und für 30€ für 4 Personen wurden wir eine Stunde lang auf einer Kutsche durch Palermo geschaukelt, Vera durfte neben dem Kutscher sitzen, wir anderen lachten und winkten von hinten.
Nach dieser ungeplanten Stadtrundfahrt machten wir uns wieder zu Fuß auf, und zwar bis zum Meer, wo wir vom Winde durchweht ein Eis im Brioche genossen.
Müde und erschöpft machten wir uns wieder einmal auf den langen Heimweg, in La Noce packten wir schnell unsere Sachen und fielen für großartige 20 Minuten in unsere Betten, danach mussten wir recht überstürzt aufbrechen, auf zum Bahnhof, auf nach Riesi, auf ins Servizio, auf nach Hause. Blöderweise verpasste Laura, unsere 48jährige Freiwillige aus den USA den Bus nach Riesi und konnte daher erst heute morgen kommen. Blöd gelaufen! Wir anderen kamen aber glücklich und zufrieden in Riesi an und ich fiel sofort ins Bett, nachdem ich meine Sachen ausgepackt und den frisch gekauften Teppich vor mein Bett gelegt hatte, da mich sowohl Kopf- als auch Bauchschmerzen plagten.
Ein sehr interessantes Wochenende in Palermo also, anstrengend, aber gut. Dennoch ist uns allen Riesi-Freiwilligen klar geworden, dass wir froh sind, in Riesi und nicht in Palermo zu sein. Großstadt ist zwar auch toll, aber lieber nur mal am Wochenende, statt immer!
PS: Entschuldigt, dass ich so lange nicht von mir habe hören lassen. Wir waren ja, wie ihr gelesen habt, weg, und außerdem hat Gianluca, unser Direktor, das Internet umstellen lassen, was erstmal dazu geführt hat, dass es nicht mehr funktioniert hat. Dieses Problem wird momentan beseitigt, mein Internet funktioniert, wenn auch nicht immer, und auch immer noch nicht in meinem Zimmer, leider. Dafür hat auch der neue Rooter keine Reichweite, die groß genug ist. Schade!
PPS: Fotos folgen.
Endlich war es soweit. Die wirklich anstrengende Woche war geschafft und wir hatten alle mehr oder weniger fertig gepackt (Catherine hatte mich gezwungen, nur ein Drittel dessen mitzunehmen, was ich ursprünglich geplant hatte und das war gut so). Wir hasteten also alle mit mehr oder weniger angemessen großen Gepäckstücken runter zu unserem Freiwilligenbus, mit dem uns Zoran zu der Haltestelle des Busses fahren würde. Merkwürdigerweise liegt diese Haltestelle nicht etwa im Ort Riesi, sondern an einer ca 15 Minuten entfernten Tankstelle - wieso auch immer. Auf dem Rückweg fährt der Bus allerdings nach Riesi hinein. Das soll mal einer nachvollziehen, auch wieso wir auf der Hinfahrt 12€ und auf der Rückfahrt 10,80€ bezahlen mussten (und wieso Simon beim letzten Mal nur 7€ bezahlt hat).
Man weiß hier auch nie so genau, ob die Busse dann fahren, wann es auf dem Plan steht, oder doch nicht vielleicht schon eine Viertelstunde früher. Auch wenn die Sizilianer ein sehr gemütliches und eher langsames Völkchen ist, dass aus der italienischen Viertelstunde gerne eine sizilianische halbe macht - die Busse halten sich überstreng an ihren Plan (natürlich kann man das auch wiederum nicht als Regel festhalten).
Wir waren jedoch mehr als pünktlich und die Fahrt nach Palermo verlief angenehm. Der Blick auf das im Dunkeln verschwindende Sizilien und die Musik aus meinem iPod bescherten mir ein unerwartetes absolutes Glücksgefühl.
In Palermo angekommen aßen wir erstmal, um die Wartezeit auf die Palermofreiwilligen, die uns abholen wollten, ein Eis. Aber nicht aus der Waffel, wie der normale Mensch, sondern aus einem Milchbrötchen, wie die waschechten Sizilianer. Und das in einer Gelateria, wo es nicht weniger als sage und schreibe 63 Eissorten zur Auswahl gab (darunter auch Lakritz, also war ich fröhlich.)
La Noce in Palermo ist ein Zentrum mit Schule und Kindergarten, außerdem auch Wohngruppen für junge Menschen, auch von der Waldenserkirche gegründet, wie das Servizio Cristiano. Mitten in der Stadt, zwischen Abfall und Dreck geht man durch das Tor und befindet sich in einer anderen Welt. Der gesamte Innenhof ist mit Pflanzen und Bäumen bepflanzt, wodurch auch die Luft viel angenehmer ist.
Vera, Catherine und ich waren zu dritt in einem Zimmer untergebracht und haben uns gemeinschaftlich entschieden, früh schlafen zu gehen, da wir alle müde waren und außerdem am nächsten Morgen früh auf den lang ersehnten palermitanischen Markt wollten! Um halb zehn kamen wir dann auch endlich los und schlenderten nach der interessanten Busfahrt durch den grässlichen Verkehr Palermos sehr lange durch die kleinen Gässchen des Marktes. Ich erstand endlich einen Teppich für mein bisher etwas kahles Zimmer und außerdem ein Kleid, ähnlich deckten sich die anderen mit Decken, Vorhängen und Hosen ein. Nach einem Eis im Brioche, ettlichen Kaffees und Arancinis für alle begann es doch tatsächlich ein wenig zu regnen. Wir machten uns dennoch tapfer auf den Weg zur Cathedrale, die wir unbedingt noch besichtigen wollen. Sie war wirklich sehr schön und ausnahmsweise mal nicht zu überladen. Als wir sie wieder verließen, regnete es jedoch richtig und ich sah mich gezwungen, bei einem der Straßenhändler einen Schirm zu kaufen. Kaum wittern die nämlich den ersten Tropfen Regen, zaubern sie aus irgendeiner verborgenen Ecke Regenschirme in allen Farben hervor. Um meinem Trend treu zu bleiben, entschied ich mich natürlich für einen lila Schirm (noch ist er sogar nicht kaputt).
Wir hechteten nach Hause und kamen noch einigermaßen trocken an. Dort fielen wir alle ins Bett und schliefen erstmal zwei Stunden. Danach gingen einige Pizza bestellen, die wir dann alle mit Heißhunger im etwas provisorischen Wohnzimmer verspeisten. (Aber immerhin gibt es da Sofas, im Gegensatz zu bei uns, wo die blöden Dinger immer noch nicht da sind.)
Eigentlich war geplant gewesen, dass wir alle zusammen tanzen gehen würden, aber irgendwie kam nichts zu stande, da niemand wusste wohin, und wie, und so weiter. Traurig fand ich das!
Also gingen wir wieder relativ früh ins Bett.
Am Sonntag machten sich einige ans Meer, wir wollten allerdings noch mehr von Palermo sehen. Als erstes führte uns unser Weg ins Teatro Massimo, das größte Opernhaus Italiens, und das drittgrößte der Welt, nach Paris und Wien, wenn ich das richtig verstanden habe, was während der Führung auf italienisch erzählt wurde. Wunderschön ist es, sowohl von innen als auch von außen. Im 19. Jahrhundert erbaut, besitzt das Teatro Massimo noch heute eine Klimaanlage original aus seiner Entstehungszeit. In der schön bemalten Decke des Zuschauerraums gibt es einige Teile, die man nach oben aufklappen kann. Dadurch entsteht eine natürliche Luftzirkulation, die kalte Luft kommt nach unten und die warme entweicht nach oben. Dieser Mechanismus funktioniert tatsächlich immernoch, ob er noch so gebraucht wird, weiß ich nicht. Wir besichtigten auch die Königsloge, wenngleich wir uns auch nicht setzen durften. Hiernach wurden wir in die Sala dei Segreti geführt, ein Raum, der vom Architekten mit einem verrückten Halleffekt ausgestattet wurde. Steht man in der Mitte des Raumes hallt es unglaublich, mit jedem Schritt weiter nach außen nimmt dieser Effekt ab. Dies ist genau so geplant und konstruiert. Früher durften in diesen Raum nur Männer und damit diejenigen, die draußen waren, nicht verstehen konnten, was sie beredeten, wurde dieser Halleffekt eingebaut, damit sich die Stimmen bis zur Unkenntlichkeit vermischen. Dazu benötigt der Saal auch 14 Türen, da das Holz den Echoeffekt begünstigt. Von diesen vierzehn riesenhaften Türen sind jedoch nur 7 echt, der Rest sind dem Zweck dienliche Attrappen.
Hiernach war die Führung leider schon wieder zu Ende, nachdem wir noch die Einfahr für die damaligen noblen Kutschen begutachtet hatten.
Davon vermutlich inspiriert, lachten uns die Kutschen an, die uns zu einer Stadtrundfahrt einladen wollten. 40€ waren uns zu viel, als wir jedoch mit traurigen Gesichtern gingen, ging auch der Preis und für 30€ für 4 Personen wurden wir eine Stunde lang auf einer Kutsche durch Palermo geschaukelt, Vera durfte neben dem Kutscher sitzen, wir anderen lachten und winkten von hinten.
Nach dieser ungeplanten Stadtrundfahrt machten wir uns wieder zu Fuß auf, und zwar bis zum Meer, wo wir vom Winde durchweht ein Eis im Brioche genossen.
Müde und erschöpft machten wir uns wieder einmal auf den langen Heimweg, in La Noce packten wir schnell unsere Sachen und fielen für großartige 20 Minuten in unsere Betten, danach mussten wir recht überstürzt aufbrechen, auf zum Bahnhof, auf nach Riesi, auf ins Servizio, auf nach Hause. Blöderweise verpasste Laura, unsere 48jährige Freiwillige aus den USA den Bus nach Riesi und konnte daher erst heute morgen kommen. Blöd gelaufen! Wir anderen kamen aber glücklich und zufrieden in Riesi an und ich fiel sofort ins Bett, nachdem ich meine Sachen ausgepackt und den frisch gekauften Teppich vor mein Bett gelegt hatte, da mich sowohl Kopf- als auch Bauchschmerzen plagten.
Ein sehr interessantes Wochenende in Palermo also, anstrengend, aber gut. Dennoch ist uns allen Riesi-Freiwilligen klar geworden, dass wir froh sind, in Riesi und nicht in Palermo zu sein. Großstadt ist zwar auch toll, aber lieber nur mal am Wochenende, statt immer!
PS: Entschuldigt, dass ich so lange nicht von mir habe hören lassen. Wir waren ja, wie ihr gelesen habt, weg, und außerdem hat Gianluca, unser Direktor, das Internet umstellen lassen, was erstmal dazu geführt hat, dass es nicht mehr funktioniert hat. Dieses Problem wird momentan beseitigt, mein Internet funktioniert, wenn auch nicht immer, und auch immer noch nicht in meinem Zimmer, leider. Dafür hat auch der neue Rooter keine Reichweite, die groß genug ist. Schade!
PPS: Fotos folgen.
Mittwoch, 9. September 2009
I primi giorni alla scuola
Allora...
Sicherlich brennt ihr mittlweile schon darauf, zu erfahren, wie denn meine Arbeit in der Schule so läuft. Ich werde also keine Mühen scheuen, um euch diesen Alltag etwas näher zu bringen.
Am Montag musste ich zwar schon in der Schule arbeiten, allerdings gab es noch keine Kinder. Und so durfte ich morgens erst 400 Seiten kopieren (also 400 mal die gleiche, jeweils in Hunderterpacks) und diese dann mit einer Schneidemaschine (oder gibts für sowas einen Namen?) schneiden. Erst unten so eine kleine Spalte ab, und dann in der Mitte durch. Traumhafte Arbeit. Vor allem, weil ich es nicht hinbekommen habe, mehr als 2 Blätter gleichzeitig zu schneiden. Jedesmal, wenn ich es versucht habe, hat die Schneidemaschine in sofern gestreikt, als dass die Seiten in der Mitte durchgerissen sind.
Danach bekam ich eine etwas angenehmere Arbeit aufgetragen. Ich durfte aus rotem und grünem Tonpapier große Blüten und eine Wiese ausschneiden. Das ist mir vorzüglich gelungen, muss ich sagen. Aus irgendeinem Grund hat sich diese recht simple Arbeit tatsächlich bis halb 1 hingezogen. Zwischendurch begann irgendwann die Schulglocke zu klingeln, jedoch nicht menschliche 20 Sekunden, sondern gefühlte 10 Minuten (3 waren es bestimmt), da irgendetwas hängengeblieben war! Ein Träumchen, besonders, da ich direkt drunter stand!
Am Dienstag begann dann die eigentliche Schule. Diese Woche jedoch auch nur Vormittags, genialerweise, aber nach meiner Arbeitszeit von 7.40 - 12.30 Uhr bin ich auch fertig genug. Ab nächster Woche muss ich von 14.00 - 16.00 Uhr dann noch selber unterrichten, das wird ein Spaß.
Um 7.40 Uhr stand ich am Dienstag morgen also noch etwas verschlafen am Parkplatz, wo mich dann der knallgelbe Schulbus des Servizio Cristiano einsammelte. Ich unterhielt mich ein wenig mit Giuseppe, dem Sekretär und gleichzeitig Busfahrer. Hier heißen übrigens alle entweder Giuseppe oder Salvatore, selbst die Kindergartenkinder werden von dieser Welle der besonders schönen Namen nicht verschont. Mit dem Schulbus drehen Giuseppe und ich also täglich zwei Runden durch Riesi, bei denen wir jeweils 30 Kinder einsammeln, denn so viele passen in den Bus. Irgendjemand hat mich erzählt, dass einige Familien ihre Kinder nur ins Servizio Cristiano zur Schule schicken, da wir einen Schulbus haben. Etwas verwunderlich ist auch, dass wir selbst Kinder einsammeln, die 100 Meter Fußweg zu laufen hätten, aber so sind die Sizilianer nun einmal: faul. Diese Woche fährt Rosalia, eine Lehrerin, noch mit, ab nächster Woche muss ich das dann alleine meistern. Bisher gestaltete sich der Schulbus aber kaum als ein großes Problem. Ich sitze auf meinem Platz neben der Tür, neben dem Fahrersitz der einzige gepolsterte Sitzplatz, auf dem ein Erwachsener platznehmen kann (Rosalia müsste hiervon allerdings kaum Gebrauch machen, denn sie ist ca. der zierlichste und winzigste Mensch, den ich je gesehen habe). Die Grundschulkinder können alleine einsteigen, sie weinen nicht, und sie suchen sich alleine ihren Platz. Die einzige Sorge sind vielleicht die vielen kleinen Giuseppes und Salvatores, die jetzt schon die perfekte Italiener-Frisur haben, und die sich selbstverständlich immer in die letzte Reihe pflanzen um von dort aus den Bus regieren zu können. Bis jetzt haben sie sich jedoch zurück gehalten.
Die Mädchen sind alle sehr harmlos, sie fragen mich zwar mehrmals täglich, wie ich heiße, ansonsten unterhalten sie sich aber über ihre 45 Armbänder und ich kann währenddessen ihre wunderschönen pinken Schulranzen bewundern, auf denen traumhafte Barbies abgebildet sind. Auf den Ranzen (zaino) der Giuseppes und Salvatores tummeln sich Spiderman, die Powerrangers und The Incredible Hulk, wobei ich nicht wissen möchte, wie sie das aussprechen.
Die Namensgebung der Mädchen ist etwas einfallsreicher. In der zweiten Klasse gibt es immerhin nur zwei Giusis! Ansonsten heißen sie Marica, Aurora und Georgia, Giulia und Giovanna.
Nachdem ich also zwei Fuhren lärmender Grundschulkinder, Klasse 1-5, abgeladen habe, eile ich wieder zum Bus, der nun zum dritten Mal durch Riesis Straßen düst, um nun die Kindergartenkinder einzuladen. Das gestaltet sich schon als etwas schwieriger. Denn einige der Kindern wollen partout nicht von ihren Eltern weg und klammern sich demnach an den Hälsen ihrer Mütter und Väter fest. Ich habe die wenig ehrenvolle Aufgabe, die Kinder ihren Eltern zu entreißen. Die Eltern stehen also etwas hilflos mit einem Kind um den Hals vorm Bus, und von meinem gepolsterten Erwachsenen-Sitz aus, ziehe ich dann an der anderen Seite der verzweifelten Kleinen, bis diese loslassen und mir dann weinend in den Arm fallen. Manche reiche ich gleich an die Kindergärtnerin, die für diese Woche noch mitfährt, Giusi (!) oder Silvia, weiter, andere behalte ich für die restliche Fahrt auf dem Schoß. Interessanterweise sind es meist Jungs, die weinen. Gestern saß ein trauriger Samuele auf meinem Schoß, heute habe ich mich ganz offiziell in Carol verliebt, einen unfassbar süßen Zweijährigen, der nun immer die Arme nach mir ausstreckt, wenn er mich sieht. Carol hatte einige Ausdauer vorzuweisen beim Weinen, doch danach war ich seine beste Freundin, oder Ersatz-Mama, oder was auch immer. Er war auf jeden Fall erneut schwer bedrückt, als ich ihn im Kindergarten zurücklassen musste, denn ich hatte ja in der Schule zu arbeiten!
In der Schule gestaltet sich alles viel lockerer als bei uns und als ich es mir vorgestellt hatte. Ich und die Lehrerinnen laufen ständig rein und raus in die Klassen, ich bin mal hier, mal da, wo ich grade Lust habe hinzugehen, zwischendurch darf ich mal wieder etwas kopieren und in der Pause um 10.20 Uhr dürfen Georgia (die gestern und heute mit mir in der Schule arbeiten durfte) und ich das Obst, das aus der Küche von Angelo geholt wird, in den fünf Klassen verteilen. Heute gab es - sehr zur Freude von Laura, Angelo und Georgia, die heute Nachmittag die Schule putzen müssen - Eis für die Kinder. Bedauerlicherweise verschiedene Eissorten, sodass man von allen Seiten immer nur ins Ohr gebrüllt bekam, diese und jene Sorte wäre ja nicht essbar und deshalb müsse man unbedingt Zitroneneis haben!
Nach dem Eisverteilen gönnten wir uns eine kleine Pause und gesellten uns zu den draußen spielenden Kindergartenkindern. Sobald Carol mich entdeckte, kam er zu mir und saß beseelt an mich gekuschelt auf meinem Schoß. ♥
Hiernach gesellte ich mich zu Lina, einer Lehrerin, in die erste Klasse. Die erste Klasse blinkt, denn alle Giusis und Giuseppes haben Turnschuhe an, die ununterbrochen blinken. Hier durfte ich nun die Kinder beaufsichtigen und ihnen bei ihren schwiiieeerigen Aufgaben helfen. Sofort bekam ich mehrere Plätze angeboten und ein Junge, dessen Name ich leider nicht weiß (ich tippe mal auf Salvatore) , wollte ständig Klatschspiele spielen, woran die anderen Kinder allerdings fast alle scheiterten. Also spielte ich mit ihm Klatschspiele bis zum Ermüden. Dies geschah, während die Lehrerin abgelenk war, weil irgendjemand, den sie kannte, den Kopf zur Tür hereingestreckt hatte. Das verpflichtet natürlich zu einem längeren Gespräch.
Auch wenn man die Kinder nicht immer versteht, macht es trotzdem sehr viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Ich bin schon sehr, sehr gespannt, wie der Deutschunterricht dann nächste Woche laufen wird!
Außerdem freue ich mich darauf, Carol morgen wiederzusehen, in der Hoffnung, dass er mich noch erkennt. Man weiß ja nie!
Sonntag, 6. September 2009
So, ragazzi, jetzt gibts endlich mal ein paar Fotos! Damit ihr eure Eindrücke mal mit Bildern untermauern könnt.
Gestern Abend waren wir (zur Abwechslung) mal wieder auf der Piazza, nachdem wir den Tag gechillt am Meer mit tollen Wellen verbracht haben. Auf der Piazza war GANZ Riesi unterwegs, von ca 4 Jahren bis 80 war alles dabei. Und wieso? Naja, erstmal natürlich war Samstag Abend. Aber zweitens ist Riesi gestern 364, in Worten dreihundertvierundsechzig Jahre alt geworden! Das ist so ein runder Geburtstag, das muss doch gefeiert werden! Und das wurde es auch. Es wurde kostenlos Essen ausgegeben, angefangen von etwas trockenem Brot mit Salz, Pfeffer und Olivenöl bestrichen (Angelo schwor, dass es Zucker sei), über heißen Ricotta, den ich tragischerweise probiert habe (nicht weiter zu empfehlen) bis hin zu leckerem Rotwein aus Plastikbechern. Und sizilianische Volkstänze, die eher schottischen Volkstänzen glichen. Außerdem ein Feuerwerk, das garantiert nicht den vorgegebenen Sicherheitsvorschriften entsprach, denn es fand quasi mitten in der Menge statt, so nah, dass wir Servietten auf unsere Getränke legen mussten, damit nicht kleine braune Kügelchen hineinfielen.
So, nun aber zu den Fotos:

Die liebe Vera und ich auf unserem Balkon, von dem man allerdings nichts sieht, im Hintergrund die schöne sizilianische Sommerlandschaft.

Unser wunderschön gestrichener Gemeinschaftsraum, mit einer Laura in Bewegung in der Mitte und einem Angelo am Computer.

Unser Balkon mit Landschaft und mit Martin, Georgia und Vera.

mein Zimmer :) schönes Plakat, was? ;)

Dies ist mein traumhaftes Zimmer in Gesamtaufnahme, die Rollläden natürlich unten, weil es ansonsten viel, viel zu heiß wird tagsüber. Auf der Fensterbank habe ich all die Ohrringe, die ich mitgenommen habe (Denis hat 19 Paar gezählt und war darüber schon schockiert) hingelegt, außerdem links Lucys Überlebenssachen (:-*)!
So, irgendwie dauert das mit dem Fotos hochladen ziemlich lange, aber weitere folgen. Für einen ersten Eundruck wird das aber genügen, denke ich!
KÜSSE
Gestern Abend waren wir (zur Abwechslung) mal wieder auf der Piazza, nachdem wir den Tag gechillt am Meer mit tollen Wellen verbracht haben. Auf der Piazza war GANZ Riesi unterwegs, von ca 4 Jahren bis 80 war alles dabei. Und wieso? Naja, erstmal natürlich war Samstag Abend. Aber zweitens ist Riesi gestern 364, in Worten dreihundertvierundsechzig Jahre alt geworden! Das ist so ein runder Geburtstag, das muss doch gefeiert werden! Und das wurde es auch. Es wurde kostenlos Essen ausgegeben, angefangen von etwas trockenem Brot mit Salz, Pfeffer und Olivenöl bestrichen (Angelo schwor, dass es Zucker sei), über heißen Ricotta, den ich tragischerweise probiert habe (nicht weiter zu empfehlen) bis hin zu leckerem Rotwein aus Plastikbechern. Und sizilianische Volkstänze, die eher schottischen Volkstänzen glichen. Außerdem ein Feuerwerk, das garantiert nicht den vorgegebenen Sicherheitsvorschriften entsprach, denn es fand quasi mitten in der Menge statt, so nah, dass wir Servietten auf unsere Getränke legen mussten, damit nicht kleine braune Kügelchen hineinfielen.
So, nun aber zu den Fotos:
Die liebe Vera und ich auf unserem Balkon, von dem man allerdings nichts sieht, im Hintergrund die schöne sizilianische Sommerlandschaft.
Unser wunderschön gestrichener Gemeinschaftsraum, mit einer Laura in Bewegung in der Mitte und einem Angelo am Computer.
Unser Balkon mit Landschaft und mit Martin, Georgia und Vera.
mein Zimmer :) schönes Plakat, was? ;)
Dies ist mein traumhaftes Zimmer in Gesamtaufnahme, die Rollläden natürlich unten, weil es ansonsten viel, viel zu heiß wird tagsüber. Auf der Fensterbank habe ich all die Ohrringe, die ich mitgenommen habe (Denis hat 19 Paar gezählt und war darüber schon schockiert) hingelegt, außerdem links Lucys Überlebenssachen (:-*)!
So, irgendwie dauert das mit dem Fotos hochladen ziemlich lange, aber weitere folgen. Für einen ersten Eundruck wird das aber genügen, denke ich!
KÜSSE
Mittwoch, 2. September 2009
Tre - Scuola Primaria!
So, verehrte Leserinnen und Leser!
Es steht fest, ich arbeite in der Grundschule. Und das den ganzen Tag! Den genauen Zeitplan habe ich nicht mehr im Kopf, aber es sieht ungefähr so aus:
Mein Tag beginnt um 7.40 Uhr und zwar damit, dass ich im Schulbus mitfahre, der die ganzen Kinder aus Riäääääääsi abholt.
Dann muss ich irgendwann in die Küche, um dort das Obst für die Kinder abzuholen.
Ich muss durch die ganzen Klassen laufen und Listen führen, wie viele Kinder da sind, um diese dann in die Küche zu bringen, damit die Köche wissen, wie viel sie kochen müssen.
Ich habe die ehrenvolle Aufgabe, das Obst, das ich aus der Küche geholt habe, auf- und auszuteilen.
Außerdem habe ich die permanente Aufgabe, das Bad zu überwachen und ich muss auch am Anfang des Tages kontrollieren, ob alles vorhanden ist und ansonsten aufpassen, was die Kinder im Bad veranstalten.
Irgendwann muss ich dann den Mittagstisch decken und dann bin ich ab 12.30 - 14.00 Uhr entlassen und darf selber zu Mittag essen.
Ab 14.00 - 16.00 Uhr bin ich dann in verschiedenen Klassen, in einigen wohl, um Deutsch zu unterrichten, in anderen, um den Lehrerinnen zu helfen, möglicherweise Hausaufgabenbetreuung, wo eben etwas anfällt.
Wie es jetzt dazu kam, dass ich in der Grundschule arbeite? Nun ja, ich hatte ja eigentlich vor, im Kindergarten zu arbeiten und das hatte ich auch auf dem grandiosen Zettel versucht zu vermitteln, aber da mein Italienisch anscheinend schon etwas besser ist als das anderer Personen, die gerne in die Schule wollten, wurde ich "scelta", ausgesucht, in der Schule zu arbeiten. Naja. Vediamo.
So, nun muss ich mal Teller abspülen!
A dopo :-*
Es steht fest, ich arbeite in der Grundschule. Und das den ganzen Tag! Den genauen Zeitplan habe ich nicht mehr im Kopf, aber es sieht ungefähr so aus:
Mein Tag beginnt um 7.40 Uhr und zwar damit, dass ich im Schulbus mitfahre, der die ganzen Kinder aus Riäääääääsi abholt.
Dann muss ich irgendwann in die Küche, um dort das Obst für die Kinder abzuholen.
Ich muss durch die ganzen Klassen laufen und Listen führen, wie viele Kinder da sind, um diese dann in die Küche zu bringen, damit die Köche wissen, wie viel sie kochen müssen.
Ich habe die ehrenvolle Aufgabe, das Obst, das ich aus der Küche geholt habe, auf- und auszuteilen.
Außerdem habe ich die permanente Aufgabe, das Bad zu überwachen und ich muss auch am Anfang des Tages kontrollieren, ob alles vorhanden ist und ansonsten aufpassen, was die Kinder im Bad veranstalten.
Irgendwann muss ich dann den Mittagstisch decken und dann bin ich ab 12.30 - 14.00 Uhr entlassen und darf selber zu Mittag essen.
Ab 14.00 - 16.00 Uhr bin ich dann in verschiedenen Klassen, in einigen wohl, um Deutsch zu unterrichten, in anderen, um den Lehrerinnen zu helfen, möglicherweise Hausaufgabenbetreuung, wo eben etwas anfällt.
Wie es jetzt dazu kam, dass ich in der Grundschule arbeite? Nun ja, ich hatte ja eigentlich vor, im Kindergarten zu arbeiten und das hatte ich auch auf dem grandiosen Zettel versucht zu vermitteln, aber da mein Italienisch anscheinend schon etwas besser ist als das anderer Personen, die gerne in die Schule wollten, wurde ich "scelta", ausgesucht, in der Schule zu arbeiten. Naja. Vediamo.
So, nun muss ich mal Teller abspülen!
A dopo :-*
Dienstag, 1. September 2009
Due
1.9.2009 - Sizilienbericht Nummero Due
Und schwups di wups ist schon Dienstag. Die Zeit vergeht hier wirklich rasend schnell. Ich habe einiges aufzuholen an Berichterstattung, denke ich!
Ende des letzten Berichtes befanden Vera und ich uns in unserem gemütlichen Bus, den wir in Catania allerdings verlassen mussten. Eigentlich sollten wir von da aus in einen regionalen Bus nach Riesi steigen, allerdings hatten die anderen Frewilligen uns eine SMS geschickt, in der stand, die Straße sei wegen eines Streiks gesperrt und wir sollten doch nach Ravanusa fahren, wo sie uns abholen würden. Leichter gesagt als getan. Als wir in Catania verlassen an der riesigen Bushaltestelle standen, war nirgends ein Busplan geschweige denn ein Informationsbüro zu entdecken. Während Vera sich als Kofferaufpasser übte, joggte ich (jeder der mich kennt, weiß, wie unglaUblich gerne ich jogge) hinter einem Busfahrer her, der mein Blickfeld gekreuzt hatte. Dieser führte mich dann schnellen Schrittes - ich noch geplagt vom Umherhieven der schweren Koffer - in das Büro der, wie wir später feststellen sollten, falschen Busgesellschaft. Dort saßen sehr viele Leute auf Stühlen und warteten. Und warteten. Und warteten. Nur war mir nicht ganz ersichtlich WORAUF sie warteten, denn die Frau hinter dem Schalter unterhielt sich zwar grade, war jedoch nicht dabei, einen Kunden zu beraten. Nach einigem Umhersehen traute ich mich dann, aufzustehen und riskierte somit todesmutig, den Zorn sich übergangen fühlender Italiener auf mich zu ziehen - es geschah jedoch nichts. Ich versuchte nun der Frau klarzumachen, was ich wollte: "Buongiorno. Abbiamo questo biglietto per Riesi..." Doch das war schon zu viel für die Gute. Sie verstand kein Wort. Nicht mal, wo ich hinwollte. Eine andere Frau, eine der mysteriösen Wartenden, kam mir schließlich gnädig zu Hilfe und teilte ihr mit, dass ich nach Riäääääääääääsi wolle. Kann ja kein Mensch wissen, wie die Leute in Sizilien das ausprechen...! Das verstand die Frau dann jedoch und erklärte mir, die Straße sei frei, und der Bus fahre um 18.30 Uhr. Auf dem Ticket war zwar angegeben, das wir um 17.20 Uhr ankommen würden, aber Hauptsache, wir kommen an. An dieser Stelle sei noch vermerkt, dass die Frau das Ticket GESEHEN hat. Sie hat nicht nur das Ticket gesehen, sondern bestimmt auch, von welcher Busgesellschaft es war! Vera und ich schleppten unsere Koffer nun für die nächsten zwei Stunden in das erstbeste Café, das wir fanden und setzten uns auf die erstbesten Stühle, die wir fanden. Wir tranken eine Cola, aßen Arancini (typisch sizilianisch) und spielten zwei Stunden lang Karten. Ich weiß - auch nicht grade meine Art.
Viel zu früh gingen wir zu der Bushaltestelle, an der der Bus abfahren würde. Nach relativ kurzer Zeit kam der Busfahrer und öffnete die Türen. Nachdem wir unser Gepäck hineingestellt hatten, wollten wir den Bus betreten. Dies wurde uns allerdings verweigert und der aufbrausende Busfahrer erklärte uns wütend, wir hätten ein falsches Ticket. Falsche Busgesellschaft. Ähem, nicht, dass die Frau uns das hätte sagen können...Also noch mal zu der Frau und zwei Tickets nach Riäääääääääääääsi kaufen. Ja, ich lerne sehr schnell! Diese Busfahrt war sehr angenehm, die Landschaft Siziliens nimmt bei Anbruch der Dunkelheit eine unerwartete Weichheit an. Außerdem wird es schon recht früh dunkel.
So war es schon stockfinster, als wir schließlich nach langem Bangen, dass der Bus doch nicht nach Riäääääääääsi fahren, oder wir die richtige Haltestelle verpassen würden, in Riääääääääääsi ankamen. Empfangen wurden wir von den anderen Freiwilligen: Georgia, Laura, Martin und Denis. Simon war in Palermo bei seiner Freundin und Angelo war im Servizio geblieben, um zu duschen. Außerdem empfing uns Hanna, eine ehemalige Freiwillige, die grade für Der Empfang war herzlich und sofort wurde uns all unser Gepäck entwendet. Der Bus fuhr weg und nach 300 Metern fiel Vera auf, dass sie ihren Laptop soeben der Ewigkeit übergeben hatte, denn der hatte uns zusammen mit dem Bus verlassen. Hanna machte den Vorschlag, im Internet nach der Nummer zu suchen. Letzendlich ging dort aber keiner dran und Vera und Hanna standen um fünf auf, um den nächsten Bus abzufangen und Veras Laptop wieder einzusammeln. Wir wanderten also alle durch das dunkle Riääääääääsi, das wirklich nicht grade von seiner Schönheit prahlen kann. Aber warm war es! Im Servizio angekommen, liefen wir über Kies und unter zahllosen Olivenbäumen, begleitet von Hunden und Katzen. Als erstes bezogen wir natürlich unsere Zimmer. Vera kam in die 21, deren Tür nicht abschließbar war, und ich in die 19, deren Schrank sich nicht öffnen ließ. (Beide Probleme wurden früher oder später behoben.) Dennoch war vorerst nicht viel mit Zimmer beziehen, und so zogen wir uns nur kurz um und gesellten uns dann zu den anderen ins Gemeinschaftszimmer. Das ist das von uns allen gemeinsam benutzte Zimmer, gleichzeitig Wohnzimmer und Küche. Außerdem gibt es dort einen Flachbildfernseher, zwei Computer (von denen nur einer funktioniert) und zwei Sofas, die mittlerweile aber entfernt wurden und durch neue ersetzt werden sollen. Wann, das weiß keiner so genau. Von dort geht auch ein riesiger Balkon aus. Einige begannen zu kochen und der erste Abend verging mit Essen, Reden und Kartenspielen.
Am nächsten Tag konnten wir zum Glück ausschlafen. Nicht, weil es unser erster Tag, sondern weil Samstag war! Wir schliefen also schön lange und als ich nach einer Dusche, die erfrischenderweise nicht warm wurde, in den Gemeinschaftsraum kam, blieb mir zum Glück keine Zeit zum Frühstücken, außerdem gab es kurze Zeit später Essen. Normalerweise gibt es nur unter der Woche Frühstück und Mittagessen von der Küche, abends und am Wochenende kochen wir für uns. Wieso es an diesem Samstag Essen gab? Non lo so. Forse perché era il primo giorno di Vera e me. Ma chi sa. Es gab Nudeln - köstliche Nudeln! (Es gab bisher jeden Tag köstliche Nudeln in allen Variationen. Aber stets ein Vergnügen.) Am Nachmittag beschlossen wir, in den Aquapark zu fahren. Zoran, ein Kroate, der schon vor vielen Jahren ins Servizio gekommen ist und daher perfekt Italienisch spricht, fuhr. Jedoch wollten aus dem einen oder anderen Grund nicht alle mit, was unser Glück war, denn wir hätten längst nicht alle in den VW-Bus gepasst. Außer Zoran fuhr ein Freund von ihm, der merkwürdigerweise Christian heißt, mit, außerdem Hanna und Denis. Der Auquapark ist ein Schwimmbad mit vielen verschiedenen Rutschen, von denen die meißten mir schon beim Ansehen Grauen bereiteten. Allerdings ließ ich mich für zwei der Folterinstrumente überreden, was in viel Wasser in den Augen, im Mund, in den Ohren und - besonders eklig - in der Nase resultierte. Nach nicht allzu langer Zeit wurden wir jedoch von einem nicht mehr so fernen Grollen darauf hingewiesen, dass ein temporale, ein Gewitter, im Anzug war und das erschreckte alle Italiener so sehr, dass sich das vorher recht prall gefüllte Schwimmbad, in dem übrigens auch italienische Pärchen ihre Tanzkünste zum Besten gaben, innerhalb kürzester Zeit leerte. Auch wir verließen das Schwimmbad, zurecht, denn auch wenn es nicht regnete, was dann auch wiederum alle erzürnte, wurden uns Blitze geboten, die ihresgleichen suchten. Dieser Tag klang mit einem recht langen Abend auf der Piazza aus, die noch zum Bersten voll war, als wir sie gegen 3 Uhr Nachts verließen.
So würde ich auch Sonntag sehr lange ausschlafen, dachte ich, doch dem war nicht so. Um zehn war es vorbei mit dem Schlafen, aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund. Den Sonntag verbrachten wir damit, zu klären, ob wir ans Meer fahren würden oder nicht und schließlich fuhren wir nicht, weil wir zu viele waren und weil Italiener nun einmal so sind. Sie sind hier und da zum Essen eingeladen und haben dies und das vor. Und überhaupt. So hatten wir aber Gelegenheit, Zorans zahlreiche Hunde und Katzen kennenzulernen. Da gibt es Puzzula (dt. Stinktier), Scot, Scia und Paola. Alle die liebsten, anhänglichsten, teilweise sehr verspielten oder unendlich faulen Hunde. Die Namen der bisher nicht gezählten Katzen sind mir größtenteils unbekannt, es soll auch Katzenbabies geben, aber die laufen noch nicht frei herum. Die Katzen sind relativ scheu, jedoch wurde mir mitgeteilt, man könne auch eine mit nach Hause nehmen und seitdem freunde ich mich grade mit einem etwas magersüchtig aussehnden Kätzchen an, dessen Foto bald folgen wird. (Ja, Mama, Papa, ich weiß, ich soll keine Katze mitbringen...)
Während wir grade einen von Angelos Schnulzfilmen anschauten, von dem wir eher weniger viel verstanden, weil die Fernbedienung fehlte, um wenigstens Untertitel einzustellen, kam Simon von seinem Palermo-Trip zurück. Wir schauten uns außer dem Film noch ein weit entferntes Feuerwerk an und gingen relativ bald danach zu Bett. Schließlich war morgen unser erster Arbeitstag.
Zu erwähnen bleibt noch, dass Gianluca, unser Direktor, und Laura, eine schon ältere (um die 40? 50?) Mitfreiwillige aus den USA, am Samstag zurückgekommen sind. Doch GL ist eine andere, nicht überall schöne Geschichte, die ich gerne in Privat-e-Mails für Interessierte erläutere.
Erzählen kann ich jedoch, dass er sich sehr für Politik interessiert und gegen die Mafia engagiert, was ihm schon einigen Ärger beschert hat. So hat er vor der letzen Wahl Plakate aufgehängt, da schon wieder die selbe, unfähige, vermutlich mit gewissen Organisationen in Verbindung stehende Organisation gewählt wurde. Die Plakate ließen verlauten, die Bevölkerung sollte dies nicht wieder tun. Wenig später wurde GL dann mitten in der Nacht von zwei garantiert sehr galanten Herren besucht, die ihm bestimmt höflich mitteilten, er solle sich gefälligst um das Servizio Cristiano und seine eigenen Angelegenheiten kümmern...
Vor zwei Wochen wurde dann am Rande des Grundstückes des Servizios (das noch 1800 Olivenbäume, Mandelbäume (?) und diverse andere Landwirtschaft beinhaltet) ein Feuer entdeckt - vermutlich gelegt. Mitten in der Nacht rannten die Freiwilligen also mit dem immerhin vorhandenen Feuerlöscher hinaus um das zum Glück noch kleine Feuer zu löschen. Später wurde ihnen dann gesagt, sie sollten doch bei so etwas nicht den Feuerlöscher benutzen, sondern die Trinkwasserflaschen aus der Küche. (?) Angelo schwört nun, er habe eine männliche Gestalt gesehen, die weggerannt ist, als sie näher kamen.
Übrigens waren Vera und ich, obwohl die anderen schon seit zwei Wochen da waren, die ersten, die ihre Zimmer vernünftig eingerichtet hatte - soll heißen, Koffer ausgepackt und Sachen in den Schrank geräumt, Fotos aufgehängt und so weiter :) Danke an Lili und Nike für die tollen Abschiedsgeschenke, die alle ihren gebürtigen Platz gefunden haben. Ich hab euch lieb. Ihr seid die tollsten :-*
Aber genug Sentimalitäten. Jetzt wird gearbeitet! Um halb acht gibts hier Frühstück, wahlweise in der Mitte noch gefrorenes oder steinhartes Ciabatta, Nutella, Marmelade, Cornflakes, Kaffee, Tee, Obst. Eigentlich fangen die Jungs, die in der Landwirtschaft arbeiten, um halb acht an und es gibt um sieben Frühstück, wenn ich das richtig verstanden habe, aber da das Frühstück eben erst frühestens um halb acht auf dem Tisch steht, hat sich diese Planung auch erübrigt und alle fahren um acht an. Da Schule und Kindergarten erst ab dem 7.9. losgehen, arbeiteten Vera und ich sowohl am Montag als auch am Dienstag mit Zoran als einem sehr gnädigen Chef und fegten ungefähr alles, was es zu fegen gibt - und das ist einiges. Zum Glück mussten wir nur vormittags arbeiten, sodass wir uns ab halb eins dem Mittagessen (Nudeln) und danach der Entspannung widmen können, was man auch bitter nötig hat, wenn man den ganzen Vormittag unter der brütenden Sonne in der Hitze arbeitet. Schwitzt, fegt, trinkt. Und irgendwie Spaß hat. Besonders wenn einen zwischendurch die Hunde besuchen kommen, man sich mit Wasser bespritzt, das innerhalb von Minuten wieder getrocknet ist oder sich lustige Geschichten erzählt. Angelo, Martin und Simon helfen bei der Mandelernte, Georgia arbeitet im Gästehaus und darf Zimmer putzen, und Denis und Laura machen Hausmeistertätigkeiten, wie zum Beispiel die Bänke für ein kleines Theater (schon zu viel gesagt) der Grundschulkinder wieder in neuem Blau, Rot und Gelb erstrahlen zu lassen. Und Vera und ich fegen, fegen, fegen.
Montag Abend sind wir wieder auf die Piazza gegangen, diesmal auch zum Essen, ob Wochenende oder nicht, spielt hier keine Rolle. Kaum zu glauben, in einem 11.000-Einwohner-Ort ist mehr los als in Marburg. Also wirklich.
Es ist übrigens sehr schwierig, auf der wirklich großen Piazza Riäääääääääääsis einen Italiener zu entdecken, die nicht an irgendeiner seiner Klamotten Glitzer hat. Die Polo-Hemden sind grundsätzlich lila oder rosa. Die Italienerinnen tragen einfach so kurz und so weit ausgeschnitten wie möglich. Und alle glotzen, hupen, flirten ungeniert.
Heute Nachmittag bekommen wir dann gesagt, in welchem Sektor wir arbeiten werden. Wir mussten alle (auf Italienisch natürlich) aufschreiben, wo wir gerne arbeiten würden und warum. "Mi piacerebbe molto lavorare all'asila perché amo il lavoro con i bambini. Ho gia fatto un tirocinio all'asilo in Germania e mi ha piacuto molto. Poi, vorrei studiare la psicologia e vorrei diventare...... und so weiter und so fort. Wir werden sehen.
Welche Sektoren es genau gibt? Kindergarten, Grundschule (Deutsch/Englisch/Französisch), Hausmeisterei, Gästehaus, Landwirtschaft, evtl. Küche. Vediamo!
UND ACH JA: Mein Zimmer ist riesig, es gibt noch genug kahle Stellen an den Wänden, die schon neidisch sind auf die, an denen Postkarten hängen :-)
Adresse:
Paula Röder
Servizio Cristiano Istituto Valdese
Via monte degli ulivi, 6
93016 Riesi (CL)
Italia
UN BACIONE ♥
Und schwups di wups ist schon Dienstag. Die Zeit vergeht hier wirklich rasend schnell. Ich habe einiges aufzuholen an Berichterstattung, denke ich!
Ende des letzten Berichtes befanden Vera und ich uns in unserem gemütlichen Bus, den wir in Catania allerdings verlassen mussten. Eigentlich sollten wir von da aus in einen regionalen Bus nach Riesi steigen, allerdings hatten die anderen Frewilligen uns eine SMS geschickt, in der stand, die Straße sei wegen eines Streiks gesperrt und wir sollten doch nach Ravanusa fahren, wo sie uns abholen würden. Leichter gesagt als getan. Als wir in Catania verlassen an der riesigen Bushaltestelle standen, war nirgends ein Busplan geschweige denn ein Informationsbüro zu entdecken. Während Vera sich als Kofferaufpasser übte, joggte ich (jeder der mich kennt, weiß, wie unglaUblich gerne ich jogge) hinter einem Busfahrer her, der mein Blickfeld gekreuzt hatte. Dieser führte mich dann schnellen Schrittes - ich noch geplagt vom Umherhieven der schweren Koffer - in das Büro der, wie wir später feststellen sollten, falschen Busgesellschaft. Dort saßen sehr viele Leute auf Stühlen und warteten. Und warteten. Und warteten. Nur war mir nicht ganz ersichtlich WORAUF sie warteten, denn die Frau hinter dem Schalter unterhielt sich zwar grade, war jedoch nicht dabei, einen Kunden zu beraten. Nach einigem Umhersehen traute ich mich dann, aufzustehen und riskierte somit todesmutig, den Zorn sich übergangen fühlender Italiener auf mich zu ziehen - es geschah jedoch nichts. Ich versuchte nun der Frau klarzumachen, was ich wollte: "Buongiorno. Abbiamo questo biglietto per Riesi..." Doch das war schon zu viel für die Gute. Sie verstand kein Wort. Nicht mal, wo ich hinwollte. Eine andere Frau, eine der mysteriösen Wartenden, kam mir schließlich gnädig zu Hilfe und teilte ihr mit, dass ich nach Riäääääääääääsi wolle. Kann ja kein Mensch wissen, wie die Leute in Sizilien das ausprechen...! Das verstand die Frau dann jedoch und erklärte mir, die Straße sei frei, und der Bus fahre um 18.30 Uhr. Auf dem Ticket war zwar angegeben, das wir um 17.20 Uhr ankommen würden, aber Hauptsache, wir kommen an. An dieser Stelle sei noch vermerkt, dass die Frau das Ticket GESEHEN hat. Sie hat nicht nur das Ticket gesehen, sondern bestimmt auch, von welcher Busgesellschaft es war! Vera und ich schleppten unsere Koffer nun für die nächsten zwei Stunden in das erstbeste Café, das wir fanden und setzten uns auf die erstbesten Stühle, die wir fanden. Wir tranken eine Cola, aßen Arancini (typisch sizilianisch) und spielten zwei Stunden lang Karten. Ich weiß - auch nicht grade meine Art.
Viel zu früh gingen wir zu der Bushaltestelle, an der der Bus abfahren würde. Nach relativ kurzer Zeit kam der Busfahrer und öffnete die Türen. Nachdem wir unser Gepäck hineingestellt hatten, wollten wir den Bus betreten. Dies wurde uns allerdings verweigert und der aufbrausende Busfahrer erklärte uns wütend, wir hätten ein falsches Ticket. Falsche Busgesellschaft. Ähem, nicht, dass die Frau uns das hätte sagen können...Also noch mal zu der Frau und zwei Tickets nach Riäääääääääääääsi kaufen. Ja, ich lerne sehr schnell! Diese Busfahrt war sehr angenehm, die Landschaft Siziliens nimmt bei Anbruch der Dunkelheit eine unerwartete Weichheit an. Außerdem wird es schon recht früh dunkel.
So war es schon stockfinster, als wir schließlich nach langem Bangen, dass der Bus doch nicht nach Riäääääääääsi fahren, oder wir die richtige Haltestelle verpassen würden, in Riääääääääääsi ankamen. Empfangen wurden wir von den anderen Freiwilligen: Georgia, Laura, Martin und Denis. Simon war in Palermo bei seiner Freundin und Angelo war im Servizio geblieben, um zu duschen. Außerdem empfing uns Hanna, eine ehemalige Freiwillige, die grade für Der Empfang war herzlich und sofort wurde uns all unser Gepäck entwendet. Der Bus fuhr weg und nach 300 Metern fiel Vera auf, dass sie ihren Laptop soeben der Ewigkeit übergeben hatte, denn der hatte uns zusammen mit dem Bus verlassen. Hanna machte den Vorschlag, im Internet nach der Nummer zu suchen. Letzendlich ging dort aber keiner dran und Vera und Hanna standen um fünf auf, um den nächsten Bus abzufangen und Veras Laptop wieder einzusammeln. Wir wanderten also alle durch das dunkle Riääääääääsi, das wirklich nicht grade von seiner Schönheit prahlen kann. Aber warm war es! Im Servizio angekommen, liefen wir über Kies und unter zahllosen Olivenbäumen, begleitet von Hunden und Katzen. Als erstes bezogen wir natürlich unsere Zimmer. Vera kam in die 21, deren Tür nicht abschließbar war, und ich in die 19, deren Schrank sich nicht öffnen ließ. (Beide Probleme wurden früher oder später behoben.) Dennoch war vorerst nicht viel mit Zimmer beziehen, und so zogen wir uns nur kurz um und gesellten uns dann zu den anderen ins Gemeinschaftszimmer. Das ist das von uns allen gemeinsam benutzte Zimmer, gleichzeitig Wohnzimmer und Küche. Außerdem gibt es dort einen Flachbildfernseher, zwei Computer (von denen nur einer funktioniert) und zwei Sofas, die mittlerweile aber entfernt wurden und durch neue ersetzt werden sollen. Wann, das weiß keiner so genau. Von dort geht auch ein riesiger Balkon aus. Einige begannen zu kochen und der erste Abend verging mit Essen, Reden und Kartenspielen.
Am nächsten Tag konnten wir zum Glück ausschlafen. Nicht, weil es unser erster Tag, sondern weil Samstag war! Wir schliefen also schön lange und als ich nach einer Dusche, die erfrischenderweise nicht warm wurde, in den Gemeinschaftsraum kam, blieb mir zum Glück keine Zeit zum Frühstücken, außerdem gab es kurze Zeit später Essen. Normalerweise gibt es nur unter der Woche Frühstück und Mittagessen von der Küche, abends und am Wochenende kochen wir für uns. Wieso es an diesem Samstag Essen gab? Non lo so. Forse perché era il primo giorno di Vera e me. Ma chi sa. Es gab Nudeln - köstliche Nudeln! (Es gab bisher jeden Tag köstliche Nudeln in allen Variationen. Aber stets ein Vergnügen.) Am Nachmittag beschlossen wir, in den Aquapark zu fahren. Zoran, ein Kroate, der schon vor vielen Jahren ins Servizio gekommen ist und daher perfekt Italienisch spricht, fuhr. Jedoch wollten aus dem einen oder anderen Grund nicht alle mit, was unser Glück war, denn wir hätten längst nicht alle in den VW-Bus gepasst. Außer Zoran fuhr ein Freund von ihm, der merkwürdigerweise Christian heißt, mit, außerdem Hanna und Denis. Der Auquapark ist ein Schwimmbad mit vielen verschiedenen Rutschen, von denen die meißten mir schon beim Ansehen Grauen bereiteten. Allerdings ließ ich mich für zwei der Folterinstrumente überreden, was in viel Wasser in den Augen, im Mund, in den Ohren und - besonders eklig - in der Nase resultierte. Nach nicht allzu langer Zeit wurden wir jedoch von einem nicht mehr so fernen Grollen darauf hingewiesen, dass ein temporale, ein Gewitter, im Anzug war und das erschreckte alle Italiener so sehr, dass sich das vorher recht prall gefüllte Schwimmbad, in dem übrigens auch italienische Pärchen ihre Tanzkünste zum Besten gaben, innerhalb kürzester Zeit leerte. Auch wir verließen das Schwimmbad, zurecht, denn auch wenn es nicht regnete, was dann auch wiederum alle erzürnte, wurden uns Blitze geboten, die ihresgleichen suchten. Dieser Tag klang mit einem recht langen Abend auf der Piazza aus, die noch zum Bersten voll war, als wir sie gegen 3 Uhr Nachts verließen.
So würde ich auch Sonntag sehr lange ausschlafen, dachte ich, doch dem war nicht so. Um zehn war es vorbei mit dem Schlafen, aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund. Den Sonntag verbrachten wir damit, zu klären, ob wir ans Meer fahren würden oder nicht und schließlich fuhren wir nicht, weil wir zu viele waren und weil Italiener nun einmal so sind. Sie sind hier und da zum Essen eingeladen und haben dies und das vor. Und überhaupt. So hatten wir aber Gelegenheit, Zorans zahlreiche Hunde und Katzen kennenzulernen. Da gibt es Puzzula (dt. Stinktier), Scot, Scia und Paola. Alle die liebsten, anhänglichsten, teilweise sehr verspielten oder unendlich faulen Hunde. Die Namen der bisher nicht gezählten Katzen sind mir größtenteils unbekannt, es soll auch Katzenbabies geben, aber die laufen noch nicht frei herum. Die Katzen sind relativ scheu, jedoch wurde mir mitgeteilt, man könne auch eine mit nach Hause nehmen und seitdem freunde ich mich grade mit einem etwas magersüchtig aussehnden Kätzchen an, dessen Foto bald folgen wird. (Ja, Mama, Papa, ich weiß, ich soll keine Katze mitbringen...)
Während wir grade einen von Angelos Schnulzfilmen anschauten, von dem wir eher weniger viel verstanden, weil die Fernbedienung fehlte, um wenigstens Untertitel einzustellen, kam Simon von seinem Palermo-Trip zurück. Wir schauten uns außer dem Film noch ein weit entferntes Feuerwerk an und gingen relativ bald danach zu Bett. Schließlich war morgen unser erster Arbeitstag.
Zu erwähnen bleibt noch, dass Gianluca, unser Direktor, und Laura, eine schon ältere (um die 40? 50?) Mitfreiwillige aus den USA, am Samstag zurückgekommen sind. Doch GL ist eine andere, nicht überall schöne Geschichte, die ich gerne in Privat-e-Mails für Interessierte erläutere.
Erzählen kann ich jedoch, dass er sich sehr für Politik interessiert und gegen die Mafia engagiert, was ihm schon einigen Ärger beschert hat. So hat er vor der letzen Wahl Plakate aufgehängt, da schon wieder die selbe, unfähige, vermutlich mit gewissen Organisationen in Verbindung stehende Organisation gewählt wurde. Die Plakate ließen verlauten, die Bevölkerung sollte dies nicht wieder tun. Wenig später wurde GL dann mitten in der Nacht von zwei garantiert sehr galanten Herren besucht, die ihm bestimmt höflich mitteilten, er solle sich gefälligst um das Servizio Cristiano und seine eigenen Angelegenheiten kümmern...
Vor zwei Wochen wurde dann am Rande des Grundstückes des Servizios (das noch 1800 Olivenbäume, Mandelbäume (?) und diverse andere Landwirtschaft beinhaltet) ein Feuer entdeckt - vermutlich gelegt. Mitten in der Nacht rannten die Freiwilligen also mit dem immerhin vorhandenen Feuerlöscher hinaus um das zum Glück noch kleine Feuer zu löschen. Später wurde ihnen dann gesagt, sie sollten doch bei so etwas nicht den Feuerlöscher benutzen, sondern die Trinkwasserflaschen aus der Küche. (?) Angelo schwört nun, er habe eine männliche Gestalt gesehen, die weggerannt ist, als sie näher kamen.
Übrigens waren Vera und ich, obwohl die anderen schon seit zwei Wochen da waren, die ersten, die ihre Zimmer vernünftig eingerichtet hatte - soll heißen, Koffer ausgepackt und Sachen in den Schrank geräumt, Fotos aufgehängt und so weiter :) Danke an Lili und Nike für die tollen Abschiedsgeschenke, die alle ihren gebürtigen Platz gefunden haben. Ich hab euch lieb. Ihr seid die tollsten :-*
Aber genug Sentimalitäten. Jetzt wird gearbeitet! Um halb acht gibts hier Frühstück, wahlweise in der Mitte noch gefrorenes oder steinhartes Ciabatta, Nutella, Marmelade, Cornflakes, Kaffee, Tee, Obst. Eigentlich fangen die Jungs, die in der Landwirtschaft arbeiten, um halb acht an und es gibt um sieben Frühstück, wenn ich das richtig verstanden habe, aber da das Frühstück eben erst frühestens um halb acht auf dem Tisch steht, hat sich diese Planung auch erübrigt und alle fahren um acht an. Da Schule und Kindergarten erst ab dem 7.9. losgehen, arbeiteten Vera und ich sowohl am Montag als auch am Dienstag mit Zoran als einem sehr gnädigen Chef und fegten ungefähr alles, was es zu fegen gibt - und das ist einiges. Zum Glück mussten wir nur vormittags arbeiten, sodass wir uns ab halb eins dem Mittagessen (Nudeln) und danach der Entspannung widmen können, was man auch bitter nötig hat, wenn man den ganzen Vormittag unter der brütenden Sonne in der Hitze arbeitet. Schwitzt, fegt, trinkt. Und irgendwie Spaß hat. Besonders wenn einen zwischendurch die Hunde besuchen kommen, man sich mit Wasser bespritzt, das innerhalb von Minuten wieder getrocknet ist oder sich lustige Geschichten erzählt. Angelo, Martin und Simon helfen bei der Mandelernte, Georgia arbeitet im Gästehaus und darf Zimmer putzen, und Denis und Laura machen Hausmeistertätigkeiten, wie zum Beispiel die Bänke für ein kleines Theater (schon zu viel gesagt) der Grundschulkinder wieder in neuem Blau, Rot und Gelb erstrahlen zu lassen. Und Vera und ich fegen, fegen, fegen.
Montag Abend sind wir wieder auf die Piazza gegangen, diesmal auch zum Essen, ob Wochenende oder nicht, spielt hier keine Rolle. Kaum zu glauben, in einem 11.000-Einwohner-Ort ist mehr los als in Marburg. Also wirklich.
Es ist übrigens sehr schwierig, auf der wirklich großen Piazza Riäääääääääääsis einen Italiener zu entdecken, die nicht an irgendeiner seiner Klamotten Glitzer hat. Die Polo-Hemden sind grundsätzlich lila oder rosa. Die Italienerinnen tragen einfach so kurz und so weit ausgeschnitten wie möglich. Und alle glotzen, hupen, flirten ungeniert.
Heute Nachmittag bekommen wir dann gesagt, in welchem Sektor wir arbeiten werden. Wir mussten alle (auf Italienisch natürlich) aufschreiben, wo wir gerne arbeiten würden und warum. "Mi piacerebbe molto lavorare all'asila perché amo il lavoro con i bambini. Ho gia fatto un tirocinio all'asilo in Germania e mi ha piacuto molto. Poi, vorrei studiare la psicologia e vorrei diventare...... und so weiter und so fort. Wir werden sehen.
Welche Sektoren es genau gibt? Kindergarten, Grundschule (Deutsch/Englisch/Französisch), Hausmeisterei, Gästehaus, Landwirtschaft, evtl. Küche. Vediamo!
UND ACH JA: Mein Zimmer ist riesig, es gibt noch genug kahle Stellen an den Wänden, die schon neidisch sind auf die, an denen Postkarten hängen :-)
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Paula Röder
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Via monte degli ulivi, 6
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